Gemeinsam mit Marion Naumann säte Loreé Tomaten aus. Mama Constanze Schuricht (im Hintergrund) freut sich schon auf die Ernte. Foto: Gogol

Gemeinsam mit Marion Naumann (links)  säte Loreé Tomaten aus. Mama Constanze Schuricht (im Hintergrund) freut sich schon auf die Ernte. Foto: Gogol

Der Traum vom eigenen Garten – am Dienstag ist Constanze Schuricht ihm ein Stückchen näher gekommen. Sie ist eine der ersten, die sich eines der neuen Hochbeete auf dem Gelände des Vereins Zephir an der Sachtlebenstraße sicherte. „Mein Balkon ist zu klein, da passt nur eine Tomatenpflanze rauf“, sagt Schuricht. Ein großer aber Garten kostet der alleinerziehende Mutter zu viel Geld und Zeit. Auf dem neuen Hochbeet will sie nun mit ihrer Tochter Loreé säen, pflanzen und ernten. Tomatenpflanzen wünscht sich die Fünfjährige, Kartoffeln, Zucchini und Kürbis die Mutter.

Zehn Hochbeete, große und kleine, hat der Runde Tisch Zehlendorf zunächst mit Mitteln des Bezirks angeschafft, das dieser jährlich für ehrenamtliches Engagement zur Verfügung stellt. In zwei Beeten wurden schon Erdbeeren und Johannesbeersträucher gepflanzt. Auch für Erde, Samen, Pflanzen und Gartengeräte reichte das Geld, so dass die Beetpaten ohne finanziellen Aufwand starten können.

Ökotrophologin Marion Naumann hatte einen bunten Strauß Samen dabei. Foto: Gogol

Ökotrophologin Marion Naumann hatte einen bunten Strauß Samen dabei. Foto: Gogol

„Essbares Zehlendorf“ nennt sich das Projekt. Und der Name ist Programm. Es gehe vor allem darum, Obst und Gemüse anzubauen, sagt Jana Pofallik von Zephir, obwohl Blumen auch nicht verboten sind.

Vorbild für das Urban Gardening-Projekt ist die „Essbare Stadt“ Andernach (Rheinland-Pfalz), die auf öffentlichen Grünflächen Salat, Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln anbaut, die von Bürgern auch geerntet werden dürfen.

In Zehlendorf Süd gebe es viel Blockbebauung, sagt Dr. Winfried Glück, Geschäftsführer des Zephir e.V., für Garten ist dort kein Platz. Zwar habe man versucht eine geeignete Fläche zu finden, doch selbst auf dem Gelände des ehemaligen Freilandlabors sei der Boden konterminiert, so dass das Umweltamt dort nicht einmal Hochbeete zulassen wollte, so Glück. Also stehen diese nun bei Zephir und warten auf Paten.

Wer dort Obst und Gemüse anbaue, der wisse, wo es herkommt, sagt Glück – das sei in den Supermärkten meist ja nicht der Fall. Und der spare als Selbstversorger auch Geld. Nicht zu vernachlässigen sei der soziale Aspekt, der Austausch der Hobbygärtner untereinander.

Gärtnern können die Beetpaten immer dann, wenn das Vereinsgelände geöffnet ist, also wochentags ab 9 Uhr. Mitbringen müssen sie vor allem zwei Dinge, sagt Pofallik: Zeit und Lust.

Jana Pofallik kümmert sich um die schon gepflanzten Erdbeeren und Johannisbeersträucher. Foto: Gogol

Jana Pofallik kümmert sich um die schon gepflanzten Erdbeeren und Johannisbeersträucher. Foto: Gogol

Auch Zephir selbst hat sich ein Hochbeet gesichert. Zephirs Sportattack und die Grundschule am Buschgraben arbeiten gemeinsam in einem Projekt, in dem es um den Zusammenhangg von Ernährung und Fair Trade geht, erklärt Marion Naumann vom Verein. Die Ökotrophologin betreut das Projekt, steht aber auch den Hochbeetgärtner mit Fachwissen zur Verfügung. Die Schüler sollen sich auch mal die Hände schmutzig machen, erleben, wie viel Zeit und Arbeit es kostet, bis Obst und Gemüse geerntet werden können, sagt Glück.

Einen Anfang machte Loreé am Dienstag. Nachdem der Regen nachgelassen hatte, säte sie zusammen mit Marion Naumann Tomaten- und Paprikasamen im Frühbeet aus. Wenn die gekeimt haben, können sich die Paten dort bedienen – kostenfrei. Auch Wasserkosten fallen nicht an.

Wer selbst Lust hat, die Patenschaft für ein Hochbeet zu übernehmen, meldet sich telefonisch unter der Nummer (030) 84 59 29 79 beim Verein oder kommt einfach vorbei, in der Sachtlebenstraße 36 in Zehlendorf, wochentags ab 9 Uhr.

(go)