Sehr gut besucht war die Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Wirtschaft am Dienstagabend, 13. Juni. Rund 60 Bürger versammelten sich im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf, um sich die Präsentation des Amtes zur geplanten Bebauung des ehemaligen Militärgeländes am Lichterfelder Stadtrand anzuschauen und ihre Fragen dazu zu stellen.

Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz des US-Militärs in Lichterfelde-Süd, genannt „Parks Range“, soll eine neue Wohnsiedlung entstehen. Geplant ist, dass in circa 2.500 neue Wohneinheiten Familien, aber auch Singles und Senioren einziehen können. Dafür sollen sowohl preisgünstige Mietwohnungen als auch Mitwohnungen in höherer Preiskategorie, Eigentumswohnungen und Reihenhäuser entstehen. Geplant ist auch, die schützenswerte Heidelandschaft, die sich dort über Jahre entwickelt hat, soweit es geht, zu erhalten. Den ersten Entwurf dazu, wie es aussehen könnte, präsentierten das Bezirksamt und die Groth Gruppe, der Eigentümer der Fläche, das erste Mal bereits im Jahr 2014.

Parks-Range-Masterplan 2014, Entwurf: Casanova+Hernandez Architects

Der neue, überarbeitete Plan geht auf die Auswertung der frühzeitigen Bürgerbeteiligung ein, die im Sommer 2016 stattfand. Innerhalb eines Jahres bearbeitete das Amt die damals angebrachten Kritikpunkte und setzte sie nun, soweit es eben ging, im neuen Plan um.

So sieht der aktuelle Plan beispielsweise nur noch 420 Reihenhäuser vor. Bisher waren 640 geplant. Die Zahl bewerteten die Bürger 2016 jedoch als zu hoch. Auch die „Hochpunkte“ seien weniger geworden, sagte die Leiterin des Stadtplanungsamts Sabine Lappe, die den neuen Masterplan vorstellte. Außerdem sei der neue Entwurf nicht mehr so „blockhaft“, so Lappe weiter. Denn anstatt der am Anfang geplanten sechs Quartiere geht der neue Plan nur noch von vier Quartieren aus, die etwas „vertieft“ wurden und zudem auch etwas versetzt angeordnet sind.

Parks-Range-Masterplan 2017, Entwurf: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Stadtentwicklungsamt

Die geplanten Wohneinheiten sind dadurch allerdings nicht reduziert geworden. Auch der neue Plan sieht circa 2.500 Wohneinheiten vor. Etwa 600 davon sollen als Sozialwohnungen für einen Mietpreis zwischen 6,50 und 8,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden. Dazu kommen die oben genannten 420 Reihenhäuser, Eigentumswohnungen sowie hochpreisige Mietwohnungen. Das schafft eine „gesunde Mischung“.

Beide Masterpläne im Vergleich: links 2014, rechts 2017

Mehr Öffis, Fahrräder und Carsharing – weniger Autos

Laut dem Plan soll ein Bus die gesamte Wohnsiedlung erschließen. Auch eine „Fahrradstraße“, die quer durch das Viertel bis zum S-Bahnhof Lichterfelde Süd führt, und ein Fahrradparkhaus sind geplant, so Lappe. Aber auch „innovative Verkehrskonzepte“ sollen im neuen Wohngebiet eine Rolle spielen: So könnte der Bezirk sich auch einen autonom fahrenden Elektro-Bus, der die einzelnen Quartiere miteinander verbindet, vorstellen. Auch von Carsharing und mietbaren Fahrrädern ist die Rede. Dadurch sollen die neuen Bewohner dazu angeregt werden, das Auto häufiger stehen zu lassen, was, so die Hoffnung, die Verkehrssituation rund um die neue Siedlung entspannen könnte. Doch wie genau es mit der Verkehrssituation rund um die Siedlung aussehen wird, wurde am Dienstag nicht besprochen. Das Thema Verkehr steht erst in der nächsten Ausschusssitzung im Juli auf dem Programm.

Neuer Masterplan: besser, aber nicht perfekt

Darüber, dass der neue Plan im Vergleich zu seinem Vorgänger eine deutliche Verbesserung darstellt, waren sich alle einig. Dennoch gab es einige Punkte, bei denen sich die Gemüter erhitzten. So könnte die SPD beispielsweise auf noch mehr Reihenhäuser verzichten, weil sie einfach „zu viel Platz kosten“. CDU, FDP und AfD würden dagegen mehr solche Häuser bauen wollen, weil „Eigentümer in der Regel umsichtiger mit ihrem Eigenheim und auch der Umgebung umgehen, als die Mieter“.

Für Kritik von Seite der Bürger sorgte vor allem der Standort der neuen Schule, die in der Siedlung entstehen soll. Diese ist sehr nah an der S-Bahn geplant, wodurch eine hohe Lärmbelästigung für die Kinder befürchtet wird. „Wir haben in unseren Plänen die Schule schon an allen möglichen Standorten ‚durchgespielt’ und ich kann Ihnen sagen, dass der geplante Standort seinen Sinn hat“, verteidigte die Stadtplanungsamtsleiterin Lappe den Plan. So könnte beispielsweise durch die räumliche Nähe die zukünftig angedachte Kooperation mit der Mercator-Schule erleichtert werden. Außerdem soll der neue Bau so gestaltet werden, dass das Gebäude an sich weniger Lärm „durchlässt“. „Es wird keine normale Flur-Schule sein“, so Lappe. Man habe hier die Möglichkeiten, ganz anders an den Bau heranzugehen. Allein durch die Anordnung der Klassenzimmer könnte einiges an Lärmbelästigung verhindert werden, zum Beispiel, wenn weniger genutzte Räume, wie beispielsweise Pausenräume, zur Bahnseite ausgerichtet werden, und nicht die Unterrichtsräume.

Ob der „bessere“ Bau der Schule als Lärmschutz für die Schüler tatsächlich ausreicht, wird bestimmt auch bei der nächsten Ausschuss-Sitzung noch einmal Thema sein. Denn neben der Verkehrssituation steht dann nämlich auch das Thema „Lärm“ auf der Tagesordnung.

(eb)