
Museumsdirektor Dr. Peter Lümmel legte selbst Hand an die Kuh und zeigte den Pressevertretern, wie man melkt. Foto: Gogol
„Es geht um‘s Essen, es geht um’s Trinken“ – so einfach bringt Stiftungsvorstand der Domäne Dahlem und Museumsdirektor Dr. Peter Lummel das Konzept des Culinariums auf den Punkt. Die Ausstellung „Vom Acker bis zum Teller“ im ehemaligen Pferdestall der Domäne, der mit Hilfe europäischer Fördermittel und Lottogeldern umgebaut wurde, nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Kulturgeschichte des Essens und der Ernährung von 1830 bis heute. Erzählt wird diese auf drei Ebenen anhand von 400 Objekten, 80 Filmen, 13 Mitmachstationen sowie eine Übersicht über 120 Innovationen zwischen 1800 und heute.
Im Erdgeschoss widmet sich die Schau drei Grundnahrungsmitteln. Eines ist die Milch – kein Wunder, denn die Domäne war einst selbst Meierei. Davon zeugt auch der Milchwagen, der in der Schau zu sehen ist. Wer will, kann sich auch im Melken versuchen. Die beiden anderen Grundnahrungsmittel sind Fleisch und „das Lebensmittel der Deutschen“ – das Brot. Wo kommt es her, wie wird es verarbeitet – das sind Fragen, denen man nachgeht.
Auf der zweiten Etage geht es dann um die Geschichte des Lebensmittelhandels: vom Wochenmarkt über der Kolonialwarenladen bis hin zum Supermarkt. „Es gibt keine größere Innovation als die Selbstbedienung“, sagt Lummel. Dort findet man eines der Lieblingsobjekte des Museumsdirektors: der erste Einkaufswagen Deutschlands aus den 1950er Jahren. Der ist so groß wie die heutigen Einkaufswagen für Kinder. Ein weiteres Lieblingsobjekt ist ein Spargelglas von 1916. Das wurde ihm von einer Familie zur Verfügung gestellt, erzählt er. Es sei weder im Ersten Weltkrieg noch in den 1920er Jahren angerührt worden, im Zweiten Weltkrieg hatte es als eine Art Ikone gedient, berichtete Lummel.
Thematisiert wird auf diese Ebene auch das Verbraucherverhalten, etwa am Supermarktregal, an dem Besucher erfahren, welches Obst und welches Gemüse saisonal zu haben ist. An einer Theke kann man sich sein Mittagessen zusammenstellen, um dann anschließend zu sehen, wieviel seines Tagesbedarfs an Kalorien man damit bereits gedeckt hat. An einer gedeckten Tafel können Besucher Tischgesprächen aus verschiedenen Jahrhunderten lauschen oder sich gemütlich in einer Fernsehecke Werbefilme aus der DDR und der BRD anschauen. Auch der Hunger als historisches und als aktuelles Thema wird aufgegriffen.
In der Kinder-Domäne im Dachgeschoss gibt es Stationen zum Mitmachen und Ausprobieren, zum Beispiel kann man auf einem Bonbon-Fahrrad testen, wie lange man strampeln muss, um die Kalorien eines Bonbons zu verbrennen. Dazu zieht sich durch die gesamte Ausstellung eine Kinderspur mit Fragen und Antworten rund um das Thema Ernährung.
Um die Themen möglichst interessant und erlebbar zu gestalten hat sich Kurator Tobias Kunze viel einfallen lassen: sprechende Tassen zum Beispiel und Tischdecken und Tischbrettchen, die als Informationstafel dienen. Besucher, die wenig Zeit haben, können sich schnell durch die Ausstellung bewegen, wer mehr Zeit hat, hat die Möglichkeit, sich tiefer in die Themen einzulesen. Man habe versucht einen Wechsel von laut und leise, von Unterhaltung und Information zu schaffen, erläutern Lummel und Kunz. Eine Themenauswahl sei nicht leicht gewesen, so Lummel, schließlich wollte man die Besucher nicht erschlagen, sondern Themen suchen, die für den heutigen Menschen von Interesse seien.
Die Ausstellung ist ein gelungener Beitrag zur Verbraucherbildung – ohne erhobenen Zeigefinger.
Feierlich eröffnet wird das Culinarium, das auch Platz für Veranstaltungen bietet, am Donnerstagabend, 11. Juni. Geöffnet hat es dann dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet vier, ermäßigt zwei Euro. Besucher bis 18 Jahre kommen umsonst hinein.
(go)












Johanna Mertens in der BVV am 22. April 2026, Rede zum Thema Kinder- und Jugendparlament | Foto: Grüne Fraktion[/caption]
Steglitz-Zehlendorf bekommt ein Kinder- und Jugendparlament. Das hat die BVV in der vergangenen Woche beschlossen.
Wir dokumentieren die Rede von Johanna Martens, jugendpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen, im Wortlaut:
Wir haben vor anderthalb Jahren einstimmig beschlossen, ein Beteiligungsgremium für Kinder und Jugendliche auf den Weg zu bringen. Seitdem ist viel passiert: Es gab einen strukturierten Beteiligungsprozess, Gespräche in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen und mit Fachkräften. Und vor allem mit den jungen Menschen selbst.
Wir haben uns bewusst nicht vorab auf eine Struktur für ein solches Gremium festgelegt und diese den Kindern- und Jugendlichen vorgesetzt, sondern den Beteiligungsprozess ernst genommen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Die Kinder und Jugendlichen in Steglitz-Zehlendorf wollen ein Kinder- und Jugendparlament.
Das Kinder- und Jugendparlament wird demokratisch gewählt, breit zusammengesetzt aus Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen, Vereinen und weiteren Organisationen. Es gibt klare Regelungen zur Repräsentanz und zur Einbindung verschiedener Gruppen im Bezirk.
Und mit der Änderung der Geschäftsordnung integrieren wir dieses neue Gremium in unsere Arbeit in der BVV: Das Kinder- und Jugendparlament wird zu den Sitzungen eingeladen, kann eigene Anträge in die BVV einbringen und erhält eine nachvollziehbare Rückmeldung, wenn Anträge abgelehnt werden sollten. Auch Rederechte sind vorgesehen. Das sind notwendige strukturelle Veränderungen, die echte Mitwirkung ermöglichen.
Warum ist das so wichtig? Weil wir damit zeigen, dass wir die Anliegen junger Menschen ernst nehmen. Weil wir damit Vertrauen in die Bezirkspolitik schaffen. Und weil wir somit ganz konkret in und mit diesem Gremium etwas gegen Politikverdrossenheit tun.
Viele junge Menschen haben das Gefühl, dass Politik über sie hinweg entscheidet, sie nicht ernst nimmt. Doch wer früh erlebt, dass die eigene Stimme gehört wird und Einfluss hat, entwickelt Vertrauen in demokratische Prozesse. Mit diesem Beschluss heute können wir zeigen: Eure Perspektiven sind nicht nur willkommen – sie haben Gewicht.
Gleichzeitig profitieren auch wir als Bezirksverordnete und der Bezirk selbst: Kinder und Jugendliche nehmen ihren Bezirk anders wahr als wir Erwachsene, haben oft einen anderen Blick auf ihren Alltag: auf Schulwege, Freizeitangebote oder öffentliche Räume. Sie sehen Probleme, die wir vielleicht übersehen würden und haben Ideen, auf die wir selbst nicht kommen würden. Diese Perspektiven machen unsere Entscheidungen als BVV besser.
Deshalb geht es heute auch um Vertrauen: Vertrauen darin, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können und wollen. Und dass sie uns als Bezirkspolitik vertrauen können. Und es geht um Respekt: Respekt vor der Zeit, dem Engagement und den klaren Forderungen, die im Beteiligungsprozess formuliert worden sind.
Ich möchte mich deshalb im Namen der Grünen Fraktion ausdrücklich bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben: bei allen Kindern und Jugendlichen, die sich eingebracht haben, bei den Einrichtungen, Fachkräften und der Verwaltung, die diesen Prozess getragen haben. Sie haben die Grundlage dafür geschaffen, dass wir heute diesen Schritt gehen können.