
Mitte der 1960er Jahre errichtete Günter Hönow das Haus an der Glienicker Straße 19A in Wannsee. Es ist Denkmal des Monats Mai. Foto: Wolfgang Bittner (LDA), Privat, architektur + wohnform
Der Traum vom eigenen Heim wurde nach der Interbau 1957 überall in Berlin geträumt.
Die überwiegend im Hansaviertel zelebrierte, weltweit beachtete Bauausstellung motivierte die talentiertesten Nachwuchsarchitekten auf der kleinsten noch zu findenden Parzelle zu Sparsamkeit, Effizienz und formaler Klarheit. Das Land und der Bund halfen mit entsprechenden Förderprogrammen. Wie in der Glienicker Straße, zweihundert Meter Luftlinie vom Stölpchensee entfernt. „Hier entsteht ein Wohnhaus mit Mitteln des Bundes und des Landes Berlin. Bauherr: Harry Günther. Architekt: Günter Hönow“. Das Haus an der Glienicker Straße 19A in Wannsee ist Denkmal des Monats Mai.
Die Tochter, die dieses Haus nach dem Tod der Mutter 2015 denkmalgerecht saniert hat, war damals elf Jahre alt und turnte fröhlich auf der Baustelle. An Günter Hönow erinnert sie sich als ausgesprochen höflichen und immer sehr freundlichen Mann. „Mit dem Entwurf dieses Hauses gelang dem Architekten eine schöne und wirtschaftliche Lösung, die sich im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus verwirklichen ließ“, schrieb die architektur und wohnform 1966 in ihrer November-Ausgabe ein Jahr nach Fertigstellung des Einfamilienhauses.
Hönow galt im Berlin der 1960er Jahre neben Werner Düttmann und Georg Heinrichs als wichtigster Architekt im Einfamilienhausbau. Als Absolvent der Hochschule für Bildende Künste zählte er zu einer überaus erfolgreichen Berliner Architekten-Generation mit Hardt-Waltherr Hämer, Georg Heinrichs, Ludwig Leo und Hans-Christian Müller, die in der von Max Taut und Wilhelm Büning nach dem Krieg wieder aufgebauten Architekturabteilung studiert hatten.
„Das Haus in Berlin-Wannsee wurde auf einem schmalen Nord-Süd-gerichteten Grundstück errichtet, das nach Süden leicht abfällt. Die zur Straße hin liegende Nordfassade ist völlig geschlossen, die Südfassade öffnet sich durch eine Fensterwand weit gegen eine überdeckte Terrasse mit Treppe in den Garten. Der Eingang liegt an der Westseite, durch eine Überdachung geschützt, die sich zwischen Haus und Garage spannt. Die innere Erschließung des Hauses erfolgt in der Mittelachse: ein ummauerte Treppe, die in den Hobbyraum im Keller führt, unterteilt den Wohnbereich in Sitzplatz, Essplatz und Küchennische; ein Stichflur führt in den fast quadratischen Schlaftrakt, der drei Schlafzimmer, Bad und eine Gästetoilette, die am Windfang liegt, hat“, schreibt das Architekturmagazin. Nach Meinung des Bauhistorikers Thomas Steigenberger zählt das Haus „zu den besten Kleinhäusern der 1960er Jahre in Berlin, dessen auf das Wesentliche reduzierte, gut proportionierte Bungalowarchitektur rundum überzeugt und in allen Details erhalten ist.“
Hönow orientiert sich an Amerikanischen Beispielen der 1940er und 1950er Jahre, aber auch an den vor dem Krieg enstandenen Häusern Egon Eiermanns. „Als Innenarchitekt entwarf er bereits für das Hofhaus im Hansaviertel eigene Möbel, die teilweise in Serienfertigung hergestellt wurden. 1971-1986 war Hönow Professor für Entwerfen, Gebäude- und Innenraumplanung an der Hochschule der Künste. Sein bekanntestes Werk ist die Deutsche Bank am Ernst-Reuter-Platz (1966-68).“
Nach Fertigstellung der Arbeiten begegnet die Tochter des Bauherrn dem Architekten in einem Traum wieder: „Toll, das Du das so schön wieder hergestellt hast….“ Das für seine eigene Familie errichtete Haus befindet sich unweit in der Otto-Erich-Straße 20. Konsequent Spätmodern, titelt die FAZ im Februar 2001 ihren Nachruf auf Günter
Hönow.
Dr. Jörg Rüter
Untere Denkmalbehörde













Symbolbild: Der unvergessene "Zick-Zack-Radweg" in der Leo-Baeck-Straße in Zehlendorf (2018). | Foto: Baumann[/caption]
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