Einweihung des Lilienthal-Denkmals in Lichterfelde am 17.06,1914, Quelle: Bildarchiv Marburg

Das Lilienthal-Denkmal am Teltowkanal ist Denkmal des Monats November 2012.

Otto Lilienthal wurde 1848 in Anklam geboren und starb 1896 nach einem Flugunfall. Lilienthals historische Bedeutung begründet sich vor allem in seiner Leistung als Flugpionier. Er ist bekannt für Flugversuche mit Flugapparaten, die er auf theoretischer Grundlage unternahm und kontinuierlich verbesserte. Dabei gelangen ihm Flüge bis zu einer Weite von 250 Metern. Lilienthal wohnte in der Boothstraße 17 in Lichterfelde. Er führte hauptberuflich die Dampfkessel- und Maschinenfabrik Otto Lilienthal.

Im Auftrag der Bürger Großlichterfeldes, wie die Landgemeinde damals noch hieß, wurde das Denkmal im Rahmen eines Wettbewerbes nach Entwürfen des Bildhauers Peter Christian Breuer (1856-1930) am Teltowkanal errichtet und am 21. Juni 1914 eingeweiht. Besonders die Figur des Ikarus erfuhr bei ihrer Aufstellung den Beifall der Öffentlichkeit. Die griechische Sage von dem Sohn des Daedalos, der nicht dem Rat seines Vaters folgte und sich mit seinen in Wachs gestärkten Flügeln zu sehr der Sonne näherte und abstürzte, versinnbildlicht das tragische Schicksal Lilienthals. Es blieb vielen Bürgern fest im Bewusstsein verankert, dass das Denkmal einst aus dem Engagement ihrer Vorfahren errichtet wurde. Das Gartendenkmal Eduard-Spranger-Promende – in dessen nördlichem Abschnitt der Ikarus steht – wurde eigens zur Präsentation dieser Skulptur angelegt. Das Gelände des Teltow-Kanals war ursprünglich ein sumpfiges Gebiet, das nach dem Bau des Kanals (Einweihung 1906) trocken gelegt und aufgeschüttet wurde. Die regelmäßige Gartenanlage im Bereich des Denkmals kam 1912 bis 1914 zur Ausführung.

Die Denkmalarchitektur liegt – in sich vollkommen symmetrisch – in der Achse des darauf abgestimmten Parks. Die räumliche Wirkung innerhalb der seitlich rahmenden Alleen und Baumgruppen ist beeindruckend. Auf den

Sorgfältig wurde die Ikarus-Figur in diesem Jahr restauriert. Foto: Haber & Brandner

Abbildungen aus der Anlagezeit wird deutlich, dass neben der gesamträumlichen Einordnung auch die Gestaltung des unmittelbaren Umfelds mit seinem Geländesprung, der Treppenanlage, den Kegel-Eiben und den Bänken ein imposantes Bild ergibt. Die überlebensgroße Bronzefigur des Ikarus steht auf einem mehr als fünf Meter hohen Natursteinsockel mit quadratischem Grundriss. Dieser ist aus einer Lage Granitblöcke im Spritzwasserbereich und weiteren sich darüber pyramidal verjüngenden Lagen aus Sandstein aufgebaut. Ikarus wird als unbekleideter, kräftiger Jüngling dargestellt, der sich nach oben wendet und sehr konzentriert wirkt. An seinem Rücken und den seitlich ausgestreckten Händen ist ein Flügelpaar befestigt. Die Figur ist in klassischer Weise so idealisiert, dass ihr eine heraldische Bedeutung zu zu messen ist. Mit dem hohen Sockel wirkt das Denkmal von der Nähe betrachtet erdverhaftet und monumental, aus der Ferne erscheint es elegant, mit einer Metallskulptur von großer Leichtigkeit. Der Frontseite der Pyramide ist ein stelenartiger Körper vorgelagert, in den das Relief-Portrait Otto Lilienthals eingelassen wurde, das in diesem Monat nach historischen Fotografien rekonstruiert werden konnte. Auf der Rückseite ist die Vision des größten Flugpioniers der Italienischen Renaissance zu lesen und seine noch ganz der Bionik verhaftete Verheißung:

„Es wird seinen ersten

Flug nehmen der grosse

Vogel vom Ruecken

des Huegels aus, das Universum

mit Verblüffung,

alle Schriften mit seinem

Ruhme fuellend

und ewige Glorie dem

Ort wo er geboren ward“

Leonardo da Vinci
1452 – 1519

Das Monument gehört zu den – dank seiner Skulptur – auch kunstkunsthistorisch herausragenden Freiraumplastiken Berlins und ist Ausdruck des spät-wilhelminischen Denkmalkults. Die schmückende Gartenanlage wird gerne von der Bevölkerung zum Flanieren, Radfahren, Joggen und Verweilen auf dem Rasen genutzt. Unmittelbar angrenzend befindet sich ein gut besuchtes Gartenlokal. Als Teil eines Grünzugs entlang des Teltowkanals gehört die Anlage zu einer überregionalen Grünverbindung.

In diesem Jahr fand endlich eine umfassende Konservierung und Restaurierung des Denkmals statt sowie Pflegemaßnahmen an der Gartenanlage. Der Natursteinsockel wurde gesäubert, die zu stark verwitterten Teile mit Cottaer Sandstein ergänzt, die Oberfläche konserviert und gegen Graffiti geschützt. Die schwarzen Krusten und Farbaufträge der Ikarus-Figur wurden entfernt und das Metall mit einer Wachsschicht gegen Witterung und Verschmutzungen behandelt. Die Metall-Restauratoren stellten fest, dass es sich bei der Figur um eine Galvano-Hohlplastik aus Kupfer handelt, die durch eine gut erhaltene und tragfähige Innenkonstruktion aus Stahl getragen wird. Das restaurierte Denkmal und die erfolgten Pflegemaßnahmen tragen sehr zur Aufwertung der Gartenanlage und ihres Erholungswerts bei. Weitere Maßnahmen – insbesondere die Wiederherstellung des Gartens mit seinem Eibenparterre, der Treppenanlage und den Bänken – wären wünschenswert.

Die gelungene Wiederherstellung des Lilienthaldenkmals ist dem besonders großen fachlichen und bürgerlichen Engagement vieler Beteiligter zu verdanken. Seit mehr als zehn Jahre setzt sich Nofitti e.V. stetig für die Beseitigung von
verunstaltenden Graffitis ein. Finanziell wurden die Arbeiten durch Mittel der Beckschen Stiftung Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie des Landesdenkmalamtes und Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf ermöglicht.

(Frank Riebesell/Denkmalschutzbehörde)