An der Kaiser-Wilhelm-Straße beginnt die Leonorenstraße, die den Namen nach der Hauptfigur aus Beethovens Oper "Fidelio" erhielt. Fotos: Gogol

Im StraßenABC widmen wir uns dieses Mal der Einkaufsstraße von Lankwitz, der Leonorenstraße. Die trägt diesen Namen erst seit dem 20. Mai 1937. Vorher war die Straße nach der deutschen Kaiserin und Königin von Preußen, Viktoria, benannt. Viktoria Adelheid Marie Luise war die die Tochter der Königin Victoria von England und ihres Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. 1858 wurde sie mit dem späteren deutschen Kaiser Friedrich III.vermählt.

Bereits 1925 wurde ein Teil der Straße in Am Eichgarten umbenannt, 1937 bekam dann auch der Rest einen neuen Namen, den der weiblichen Hauptfigur aus Ludwig van Beethovens einziger Oper „Fidelio“ – Leonore.

Die Straße liegt im sogenannten Komponistenviertel und führt von der Hannemann-Brücke am Teltowkanal zur Kaiser-Wilhelm- und Paul-Schneider-Straße.

Eine Bahn für Lankwitz

Mit dem Bau der Dreifaltigkeitskirche entwickelte sich die Straße zum neuen Lankwitzer Zentrum. Und so ein Zentrum brauchte eine Anbindung durch die Bahn. 1841 wurde die Anhalter Vorortbahn eingleisig angelegt, am 1. Dezember 1895 der Bahnhof – damals noch als Fernbahnhof Lankwitz-Viktoriastraße – eröffnet. Vier Jahre später hieß er dann nur noch „Lankwitz“. Kurz darauf wurde die ebenerdige Strecke nach oben verlegt und viergleisig ausgebaut. In diesem Zusammenhang entstand auch der heutige, 1901 eröffnet Hochbahnhof, der über einen Tunnel an der Leonorenstraße erreichbar ist. Von da an hielten nur noch Vorortzüge ab Bahnhof Lankwitz.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Eisenbahnbrücke über den Teltowkanal zerstört und nur eingleisig wiederaufgebaut. Ganz ruhte dann der Verkehr ab 1984.

Nach dem Fall der Mauer stieg die Bedeutung dieser Bahnstrecke, so dass sie 1995 wiedereröffnet wurde. Die S 25 zwischen Hennigsdorf und Teltow Stadt hält dort im Zehn-Minuten-Takt. Der Bahnhof ist eingleisig, benutzt wird lediglich das östliche Gleis des früheren Mittelbahnsteigs.

Die Pläne aus den 1980er Jahren, auch die U9 in Lankwitz halten zu lassen, wurden nie realisiert – und werden es aus Kostengründen wohl auch nicht mehr.

Rathaus und „Vier-Winde-Brunnen“

Verlässt man den Bahnhof Richtung Leonorenstraße, steht man an einem großen Parkplatz, außer Montag und Freitag , wenn dort von 7 bis 13 Uhr der Wochenmarkt stattfindet. Dahinter erhebt sich das 102 Jahre alte Rathaus Lankwitz. Am Sedanstag, 2. September 1911, wurde das Rathaus nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Der deutsche Renaissancebau wurde von den Gebrüdern Raddatz entworfen. Reich bebildert und geschmückt wurden die Erker der Zimmer des Bürgermeisters und des Gemeindebaurates, das Sitzungszimmer der Gemeindevertreter erhielt einen Balkon. Außerdem schmückten die Köpfe der Ratsherren sowie der des Reformers Karl von und zum Stein die Fassade. Über der Turmuhr stand die Figur eines Nachtwächters mit Laterne und Horn. Ein Glockenspiel erklang morgens um 7 Uhr und weckte die Lankwitzer mit der Melodie „Habt Ihr noch nicht lang genug geschlafen?“ und schickte Sie um 22 Uhr mit „Zu Bett, zu Bett Ihr Lumpenhund, es schlägt die letzte viertel Stund“ schlafen.

Im Rathaus wurden später auch das Polizeirevier und das Postamt untergebracht.

Das Rathaus ist nur ein Teilbau, der für die damaligen rund 10.000 Einwohner für Lankwitz ausreichte. Doch der damalige Bürgermeister Dr. Rudolf Beyendorff plante für den Zusammenschluss der nördlichen Gemeinden des Kreises Teltow, von Lankwitz bis Rudow, ein viel größeres Rathaus für 200.000 Einwohner.

Von 1920 bis 1980 war im Rathaus die Bauverwaltung des Bezirks Steglitz untergebracht, anschließend eine Dienststelle der Berliner Finanzverwaltung. Heute ist dort eines der drei Bürgerämter des Bezirks untergebracht, ebenso die Sozialverwaltung und eine Seniorenfreizeitstätte.

Vor dem Rathaus ließen 1912 Bürger den Rathausbrunnen errichten. Der wird auch „Vier-Winde-Brunnen“genannt, weil er unter anderem mit den Köpfen der Winde geschmückt wurde. Einer, der Bürger, der den Brunnen mitfinanzierte, war der Mediziner und Mitbegründer der modernen Psychotherapie James Fraenkel.

Das Berolinum

In der Leonorenstraße 17-33 erinnert eine Tafel an die Heil- und Pflegeanstalt Berolinum, die Fraenkel dort 1890 eröffnete. Bereits 1903 war die Einrichtung für Gemüts- und Nervenkranke mit 520 Betten die „größte private Heil- und Pflegeanstalt im Raum Groß-Berlin“. 1907 kamen noch ein weitläufiger Park und ein Kurhaus für Rekonvaleszenten hinzu.

Fraenkel zog sich nach Ende des Ersten Weltkrieges aus der Arbeit im Sanatorium zurück und verkaufte 1921 Kurhaus und Sanatorium. James Fraenkel erkrankte 1934 und verstarb im Juni 1935.

1943 wurde das Lankwitzer Sanatorium bei einem Bombenangriff stark beschädigt, drei Jahre später dann als Krankenhaus Lankwitz wiedereröffnet. Ab 1978 wurde es eine Abteilung für chronisch Kranke und ab 1996 zum Pflegeheim Haus Leonore.

Bernkastler Platz und Käseglocke

Ein Jahr älter als das Rathaus ist der Bernkastler Platz. Die rund 18.000 Quadratmeter große Grünanlage wurde 1910 erstmals angelegt und ist eines der wenigen noch erhaltenen Beispiele innerstädtischer Gartenkunst und entspricht mit Springbrunnen, Pergola und seinen Putten dem Repräsentationswunsch der Wilhelminischen Zeit.

Der Architekt der trapezförmigen Anlage ist unbekannt.

1975 begann die Rekonstruktion der Grünanlage, die von den Einwohnern als „Rosengarten“ bezeichnet wird. Dafür konnte man allerdings nur auf Postkarten und alte Fotos zurückgreifen. Das Wasserbecken war in einem so desolaten Zustand, dass es abgerissen und nachgebaut werden musste. Dabei erhielt es eine Umwälzpumpe für den Betrieb der Fontäne.

Anlässlich der 750-Jahr-Feier Lankwitz 1988 wurde der Platz wieder der Öffentlichkeit übergeben. Die Gartenanlage wurde zudem in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.

Ausgerichtet ist der Rosengarten auf einen kleinen, 1913/14 von Architekt Fritz Freymüller errichteten Pavillon. Er war einst das Eingangstor zur Parkanlage der Gartenstadt Lankwitz. Es war als Wohnhaus mit sechs Wohnungen angelegt. Nach dem Krieg war die Käseglocke Wohnhaus für Lehrer des Beethoven Gymnasiums, 1958 wurde sie zum Jugendfreizeitheim Theodor Fontane umgebaut.

Heute befindet sich in der Käseglocke der Kinder-, Jugend- und Familientreff des Spiel & Action e.V. Der Schwerpunkt der Arbeit dort liegt in der offenen Türarbeit, das heißt, dass Besucher einfach vorbeikommen können. Es gibt ein Frühstückscafé für Eltern sowie einen Mittagstisch für Kinder, eine Spielecke, einen Jugendraum mit Kicker und Billard. Hinzu kommen Veranstaltungen wie der Trödelmarkt, die Halloweenbörse und die Nikolausfeier.

Freizeitspaß anderer Art gibt es ein paar hundert Meter weiter im Leonorenbad, inklusive Sauna und Solarium, Whirlpool, Rutsche und Sprungbrett. Der Badespaß ist derzeit allerdings ein wenig eingeschränkt, denn die Berliner Bäderbetriebe sanieren das Freizeitbad. Deshalb sind die große Rutsche, das Spaß- und Kinderbecken geschlossen.
Wer es kühler mag, ist auf der Eisbahn richtig. Die Eisbahn besteht seit etwa 30 Jahren und wurde im Jahr 2000 von Ice Business AG wieder zum Leben erweckt. Im Sommer ist die Bahn geschlossen, ab November können Besucher wieder Eislaufen, Eisstockschießen, Eishockey spielen und zur Musik bei der Eisdisco tanzen.