Die Stele erinnert an das Filmatelier an der Berlinickestraße 11.

Auch wenn Filmhistoriker Jeanpaul Goergen von Steglitz nicht als „Wiege der Filmkunst“ sprechen wollte, das „Laufställchen“ sei der Ortsteil schon gewesen, sagte Goergen zur Einweihung der Informationsstele zur regionalen Filmgeschichte an der Berlinickestraße 11 am Dienstagnachmittag.

 

Es gebe nicht viele Stelen, Denkmale oder Tafeln, mit denen an die Filmgeschichte der Stadt erinnert werde, so Goerge. Umso mehr freute es den Filmhistoriker, diese Stele einweihen zu dürfen – und dabei auf die Geschichte des Hauses zu blicken.

In den 10er und 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe es viele Unternehmen im Bezirk gegeben, die sich dem Film widmeten, so Goergen. Die neue Photographische Gesellschaft, die Goerz-Werke und viele kleine Filmateliers. 1912 richtet sich auch der Theaterdirektor, Bühnenautor und VerlegerHeinrich Bolten, genannt Bolten-Baeckers, ein Studio für seine Produktionsfirma B.-B.-Filme an der Berlinickestraße ein. Kurze Lustspiele drehte Bolten-Baeckers dort, die teilweise im Berliner Milieu spielten.

 

Es sei eine Zeit des Umbruch in der Filmindustrie gewesen, so Goergen in seiner Rede. Statt der kleinen Kinos um die Ecke entstanden zunehmend Filmpaläste, das Programm änderte sich, die Filme wurden länger. Ab 1914 änderten sich dann auch die Inhalte, hin zum „Hurra-Patriotismus“ der Kriegsjahre.

1917 gab Bolten-Baeckers sein Atelier auf, ein Jahr später zog die Produktionsfirma Oliver-Film, die unter anderem Propagandafilme drehte. 1920 übernahm dann die Ufa-Kulturabteilung die Räume, drehte Animationsfilme und kurze Dokumentationen über Tiere, Städte und Industrie, die im Vorprogramm der Kinos gezeigt wurden. 1926 zog die Ufa wieder aus, zwei Jahre später die Sirius Farbfilm GmbH ein, die vor allem Werbefilme drehte.

Die Geschichte von Filmateliers nachzuspüren sei nicht leicht, es gebe so wenig Material, so Goergen. Das bestätigte auch Dr. Ulrich Döge, der den Stelentext verfasst hatte, in einem anschließenden Gespräch. Er habe in der Bauakte des Hauses recherchiert, auch Handelsregister-Akten aus der Zeit sowie Filmfachzeitschriften habe er herangezogen, um die Geschichte des Filmateliers zu rekonstruieren. Und doch ist nicht alles gesichert. Auch wenn es über Heinrich Bolten, der unter anderem Liberettist für Paul Lincke war, genug Informationen gebe, die über sein filmisches Schaffen seien rar. Und so konnte Döge nur angeben, dass „Der Hauptmann von Köpenick“ von 1906 „wahrscheinlich“ Bolten-Baeckers erster Film war.

In zwei Stockwerken dieses Hinterhauses sei Filmgeschichte geschrieben worden, so Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU), die zusammen mit Döge die Stele enthüllte.

(go)