Eine feministische Perspektive auf den Friedhof

Eine feministische Perspektive auf den Friedhof

Dr. Maurice Schuhman hält die Laudatio, Foto: Michael Schaffhauser

 

Am Vorabend des Internationalen Frauentages eröffneten zwei Männer die bereits dritte Ausstellung der Künstlerin Yvonne „Semiramis“ Schwarz, welche ihren feministischen Blick auf die häufig von Männern geschaffenen weiblichen Skulpturen lenkt. Die Fotoausstellung „Zwischen ewiger Jugend und Vergänglichkeit – Frauendarstellungen auf französischen Friedhöfen“ findet zurzeit im Haus der Demokratie und Menschenrechte statt.

Der Politikwissenschaftler Dr. Maurice Schuhmann hielt die Laudatio und ging auf die kulturgeschichtliche Einordnung der weiblichen Skulpturen ein. Für die musikalische Untermalung sorgte niemand Geringeres als der Autor und Chanson-Preisträger aus der ehemaligen DDR: Stefan Körbel.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen aber die Frauen, vertreten durch Yvonne Schwarz und ihr feministisches Werk. Die Künstlerin, welche unter dem Künstlernamen Semiramis arbeitet, war bereits als Jugendliche von der Fotografie fasziniert. Seit 2014 wurde sukzessive aus der freizeitlichen Zerstreuung eine Profession.

Stefan Körbel sorgt für musikalische Unterhaltung, Foto: Michael Schaffhauser

Dabei demonstriert Semiramis seit mehreren Jahren die erotisierte Charakterisierung der Weiblichkeit auf Friedhöfen. Dr. Maurice Schuhman erklärte bei der Eröffnung der Vernissage: „Yvonne Schwarz thematisiert die Erotisierung der Trauernden. Statt Vergänglichkeit, statt Tod und Trauer sieht man da etwas vor Leben Strotzendes. Etwas, was vielleicht auch Hoffnung gibt.“ Er verweist aber auch zeitgleich auf den männlichen Blick. Jene Betrachtungsweise, die im klassischen Sinne eine idealisierte Frau vor Augen hat. Die Skulpturen zeigen stets junge attraktive Frauen, welche wenig älter als Mitte dreißig sind. Laut Dr. Schuhmann galt dies zur damaligen Zeit in Frankreich als besonders interessantes Alter.

Die Ausstellung zeigt 23 Werke der Künstlerin. Dem/r Besucher/in wird auffallen, dass manch ein Kleidungsstück verrutscht ist und Partien des weiblichen Körpers entblößt. Bei anderen Skulpturen scheute man sich nicht davor, das Kleidungsstück ganz wegzulassen. „Die Darstellung der Trauernden bot zu jener Zeit vielen Künstlern die Möglichkeit, Erotik ungehemmt darzustellen“, erklärte Dr. Schuhmann.

Frauenskulptur auf dem Cimetière de Montmartre, Foto: Yvonne „Semiramis“ Schwarz

Die Ausstellung begann am Vorabend des Frauentages und endet in der Walpurgisnacht. Also an zwei wichtigen Tagen des Feminismus. Für manche mag es grotesk wirken, eine Ausstellung von Fotografien junger weiblicher Skulpturen, welche zumeist Gräber von Männern schmücken, im Zeichen der modernen Frauenbewegung zu präsentieren. Wie das mit der Thematik des Feminismus in Einklang zu bringen ist, erklärte Dr. Schuhmann wie folgt: „Semiramis dokumentiert jene Erotisierung der Trauernden auf Friedhöfen und spiegelt uns auf diesen Wegen auch den unverhohlenen männlichen Blick auf den Frauenkörper. Ihre Fotografien laden daher dazu ein, über den heterosexuellen männlichen Blick auf Frauen zu reflektieren – GERADE am Vorabend des Internationalen Frauentags.“

Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. April und kann werktags zu den Geschäftszeiten von 10.00 bis 17.00 Uhr besucht werden. Bitte hierfür in der Verwaltung im ersten Stock des Vorderhauses melden. Der Eintritt ist frei.

Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
Tram M4 / Bus 142 oder 200: „Am Friedrichshain“

 

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Michael Schaffhauser

 

 

 

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Blütenduft und Farbenpracht: Auf der Pfaueninsel blühen 200 historische Rosensorten

[caption id="attachment_73846" align="aligncenter" width="620"] Rosengarten auf der Pfaueninsel - 200 historische Rosensorten können hier bewundert werden. Foto: SPSG/Jan Uhlig[/caption]   Derzeit blühen im Rosengarten der Pfaueninsel mehr als 1.000 Rosen und es können rund 200 verschiedene historische Sorten bewundert werden. Im Gegensatz zu modernen Rosen sind die historischen Sorten nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für die Nase: Sie verströmen einen sehr intensiven Blütenduft, der den modernen Rosenarten fehlt. Wegen der milden Frühjahre beginnt die Rosenblüte bereits im Mai und ist nun bereits in voller Pracht zu erleben. Die Rosenpflege zählt zu den aufwendigsten gärtnerischen Kulturen, da die Pflanzen auf Trockenheit, zu hohe Feuchtigkeit, Schädlinge und Frost sehr empfindlich reagieren. Peter Joseph Lenné (1789-1866) legte 1821 den Rosengarten auf der Pfaueninsel an. Der Garten war der erste seiner Art in Preußen. Die mit labyrinthartig verschlungenen Wegen gestaltete Anlage galt im 19. Jahrhundert als eine der eindrucksvollsten in Europa. Sie wurde 1989 umfangreich restauriert. Im gleichen Jahr entstand anlässlich des 200. Geburtstages Lennés ein weiterer Rosengarten auf der Pfaueninsel. In diesem Schaugarten wurden die bis 1870 verfügbaren Rosen nach Klassen und Züchtungsjahr jeweils paarweise als Hochstamm und Busch gepflanzt. Hier sind über 300 Rosensorten zu bestaunen. Im Rosen-Ergänzungsgarten wurde 2007 außerdem eine Wildrosensammlung von mehr als 50 Arten angelegt, um die Vielfalt der Vorfahren der heutigen Kulturrosen zu präsentieren. Die Rosengärten auf der Pfaueninsel zählen zu den bedeutendsten gärtnerischen Anlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Der Bestand an historischen Rosen gehört zu den wichtigsten in Deutschland. 2023 konnte in der gusseisernen Rosenlaube des Lennéschen Rosengartens die halbrunde Sitzbank wieder aufgestellt werden. Sie wurde in der Tischlerei der SPSG in Anlehnung an ein historisches Modell angefertigt und vervollständigt seither das Ensemble. Weitere Informationen zur Geschichte der Rosengärten auf der Pfaueninsel unter https://www.spsg.de/rosengarten-pfaueninsel/.

Treuenfels/pm

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