
Foto: Anna Szlachetka, 21.08.2022
7,6 km voller Impressionen entlang des Teltowkanals, die nicht nur dazu beitragen, Steglitz und seine Umgebung kennenzulernen, sondern einen tiefen Atemzug aus Berlins grüner Lunge ermöglichen.
Der Klassiker: Es ist Wochenende, die Sonne scheint und die Entscheidung eine Fahrradtour zu machen, ist schnell getroffen. Doch bevor man in die Ferne schweift, das Schöne liegt doch oft direkt vor unserer Nase, wie eben auch hier in Steglitz. Die Frage ist, was eine gute Fahrradtour bieten soll, damit sie als gut befunden wird? Das muss sicherlich jeder für sich selbst entscheiden, aber ebendiese Strecke bietet mit Sicherheit für jeden etwas Passendes. Zudem ist die Strecke, mit ihren ca. sieben Kilometer pro Richtung ebenso kurz wie abwechslungsreich, um auch Kinder zum Mitradeln zu motivieren.

Foto: Anna Szlachetka, 21.08.2022
Los geht’s an der Ecke Birkbuschstraße und Dalandweg. Mit dem Stadtpark Steglitz im Rücken taucht man in die grüne Oase rund um den Teltowkanal ein. Der Wegweiser lässt die Richtung erkennen und zeigt 6,8 km Richtung Teltow an. Eine kurze Strecke, die es in sich hat, da sie unterwegs ein buntes Potpourri an Sehenswertem bietet. Vorbei am Schloßpark Lichterfelde, vorbei an einem ruhigem Spielplatz (Anm. insgesamt sind es tatsächlich drei auf der kurzen Strecke) und einem, wenn man Glück hat, faszinierenden Blick rechts oben auf den Notruf-Helikopter des Benjamin-Franklin Krankenhauses, erreicht man nach ca. 1,2 Kilometern einen Treppenaufstieg an der Paul-Schwarz-Promenade. Muss man das Fahrrad hochtragen? Nein, direkt links entlang befindet sich ein Fahrradweg, der zur anderen Brückenseite führt. Etwa 300 Meter weiter kommt ein minimaler Anstieg – hier darf man sich nicht abschrecken lassen, sich stattdessen vielmehr auf das „Runtersausen“ direkt im Anschluss freuen. Ein kleiner Wermutstropfen auf der Weiterfahrt ist die erste Straßenüberquerung. Am Wiener Feinbäcker vorbei, ist die Straße schnell passiert und die grüne Tour darf weitergehen. Sollten Kinder mit on Tour sein und bereits gefragt haben „Sind wir denn bald da?“ kommt erneut ein kleiner Spielplatz, der eine willkommene Auszeit bieten kann.

Foto: Anna Szlachetka, 21.08.2022
Alle Geschichtsinteressierten sollten nach ca. 3,5 Kilometern kurz innehalten, denn hier findet sich links die Gedenktafel des ehemaligen KZ-Außenlagers Lichterfelde – eines von mehr als 80 Außenlagern des Konzentrationslagers Sachsenhausen, welches sich vom 23. Juni 1942 bis zum 21. April 1945 an der Wismarer Straße 26-36 befunden hat. Generell ist diese Strecke ein Teil des Berliner Mauerweges, eines ca. 160 Kilometer langen Rad- und Fußwanderweges, der seine Besucher die Geschichte Berlins und Deutschlands erfahrbar macht.
Auch hier muss man wieder eine Straße überqueren und links auf die andere Seite des Kanals wechseln – doch ob rechts oder links, der Teltowkanal strahlt etwas Beruhigendes aus. Auch wenn die Straßenüberquerung einen kurz aus der grünen Idylle reisst, immerhin ist die Hälfte der Strecke schon geschafft und nun beginnt ein Abschnitt, der noch märchenhafter und malerischer ist. Als wenn man – obwohl nur unweit vom Trubel der pulsierenden Stadt entfernt – in eine andere Welt eintaucht, die zum Träumen und Durchatmen einlädt.
Im weiteren Verlauf der Strecke muss man unbedingt auf den Wegesrand achten, denn dort ranken immer wieder Brombeersträucher, die sicherlich bei einigen Leser:innen ebenfalls schöne Kindheitserinnerungen hervorrufen.
Nach ca. 4,5 Kilometern befindet sich auf der rechten Seite eine wunderschöne Stelle direkt am Wasser. Hier kann man die Seele baumeln lassen und einfach nur genießen. Wem das Entspannen hier zu früh ist, einen Kilometer weiter, schräg gegenüber von zwei Villen, befindet sich direkt die nächste wunderschöne Stelle am Wasser, umgeben von Bäumen und natürlich ganz viel Grün.

Foto: Anna Szlachetka, 21.08.2022
Hier könnte das Durchatmen ganz sinnvoll sein, denn nach etwa einem weiteren Kilometer folgt ein erneuter kleiner Anstieg. Doch so steil es hochgeht, so toll ist das Herunterfahren direkt danach. (Anm. Nur für alle Fälle befinden sich auf diesem „Berg“ zwei Holzbänke, um wieder Luft zu holen und vielleicht einen Schluck Wasser zu trinken.) Und dann hat man es direkt nach dem Anstieg auch schon geschafft und ist in Teltow angekommen. Es empfiehlt sich, an dieser Stelle nochmal ca. 600 Meter weiter geradeaus zu fahren und eine kleine Rast im Teltower Stadthafen zu machen und in die Location „Kleine Freiheit“ einzukehren, die täglich von 11-21 Uhr geöffnet hat. Ob ein leckeres Eis oder ein Kaltgetränk– spätestens, wenn man hier im türkisen Liegestuhl, direkt am Wasser Platz genommen hat, wird einem bewusst, welche kleine Perlen das schöne Steglitz in direkter Umgebung hat. Und mit den Schiffen im Rücken und der Sonne auf der Nase, kann einen schon mal schnell ein Hauch von Urlaubsfeeling überfallen. Das Ausprobieren lohnt sich. Ebenso das Neugierig sein, denn jedes Mal, ob Hin- oder Rückweg, entdeckt man immer wieder neue Details, die diese Strecke so kurzweilig und lohnenswert zugleich machen.
Anna Szlachetka












Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine Radwegeanlage wird zurückgebaut. Die Verantwortlichen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, Verkehrsteilnehmer bewusst gegeneinander aufgebracht zu haben. Das Ergebnis ist ein verkehrspolitischer Stillstand.
Wer mit der Gegend um den Kreisel, Schloßparktheater und Gutshaus Steglitz vertraut ist, konnte ahnen, dass die Sache mit dem Radweg schiefgeht. Der Verkehr, der sich hauptsächlich von der Autobahn 103 und zu einem geringeren Teil aus der Schloßstraße und zu einem noch geringeren Teil aus dem Wolfensteindamm in Richtung der Straße Unter den Eichen ergießt, staute sich schon immer an der Kreuzung Schloßstraße/Hindenburgdamm. Weil Abbieger die linke Spur blockieren, fädeln sich die geradeaus Fahrenden in die rechte Spur ein, der Verkehr staut sich. Auf dem aktuellen
Klare Sache: Radweg kaputt. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Wer sich vor vier Jahren um die Sicherheit der Fußgänger und Radfahrer in diesem Gebiet sorgte, hätte eigentlich den Blick auf den Hindenburgdamm lenken müssen. Wer dort mit dem Rad zwischen Gardeschützenweg und Drakestraße unterwegs ist, fährt nicht nur durchgehend auf einem schmalen und kaputten Streifen, der zwischendurch auch mal komplett fehlt. Radfahrer müssen jederzeit mit unberechenbaren Hunden, Kindern und unvorsichtigen Erwachsenen rechnen. Baugerüste rechts, Straßenbaustellen links. Einzelhandel, Dienstleister und Bushaltestellen – mit jeder Menge Publikumsverkehr.
Das Anliegen, auf dem Hindenburgdamm eine Bus- und Radspur einzurichten, stand sogar kurz vor der Umsetzung. Der Plan einer Busspur zwischen Klingsorstraße und Gelieustraße wurde 2024 wegen rechtlicher Bedenken zurückgestellt, aber nach der dafür notwendigen und vollzogenen Änderung der Straßenverkehrsordnung nicht wieder aufgenommen. Auf dieser Strecke verkehren drei Buslinien – an der gut 600 Meter langen Radwegeanlage Unter den Eichen fährt nur eine Buslinie, die M48.
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Doch keine klare Sache: Schadstellen lassen sich problemlos umfahren. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zurück also an den Botanischen Garten, an dessen Zaun entlang sich der außer Betrieb gesetzte Geh- und Radweg befindet. Fußgänger sind hier fast nicht anzutreffen, und vereinzelt kann man hier Radfahrer beobachten. Letztere finden hier weitaus bessere Bedingungen als am Hindenburgdamm. Der Weg ist gut befahrbar, und schadhafte Stellen lassen sich auf dem menschenleeren Fußweg gut umfahren. Das sieht mittlerweile auch die Senatsverkehrsverwaltung so. Der Fußverkehr sei „überschaubar“, begründet sie ihre Volte, und damit sei genug Platz für Radfahrer.
Diese Sichtweise kommt nicht gut an.
Der zur Umsetzung verpflichtete Bezirksstadtrat Urban Aykal (Grüne) gibt sich empört, die Anordnung des gemeinsamen Geh- und Radweges sei „sehr fragwürdig“. Der Bezirk habe Ende April 2026 im Rahmen einer Anhörung eine ausführliche Stellungnahme abgegeben. „Unsere darin fundiert begründeten Bedenken werden weggewischt“, so Aykal. Eine Nachfrage zur Einsicht in die Stellungnahme blieb ohne Antwort.
Die Verkehrsverwaltung verweist auf die Frage nach den Gegenargumenten auf die Begründung der Weisung an den Bezirk, den Radweg Unter den Eichen zurückzubauen. Das Dokument bezieht sich ausschließlich auf die Bus- und Radspur. Wie eine Sanierung des Gehwegs, der nun wieder Radweg werden soll, ausgeführt werden soll, wird nicht thematisiert.
„Mitunter“, heißt es in der Anordnung vom 29. Juli, gebe es aufgrund der „Einengung für die Radverkehrsanlage Höhe Botanischer Garten“, „Schwierigkeiten an der Kreuzung mit der BAB 103“. Die „Schwierigkeiten“ werden nicht näher benannt. Die „Stauwurzel“ an der Straßenkreuzung Am Fichtenberg ist laut Diagnose der Verwaltung die Mutter aller Probleme. Die beiden folgenden Fußgängerampeln am Begonien- und Asternplatz seien für die Überlastung nicht die Ursache.
Neben der Behinderung des Busverkehrs wird die Situation an der Kreuzung Schloßstraße / Hindenburgdamm aufgezeigt, die durch Fehlverhalten der Autofahrer entsteht: Obwohl der Stau deutlich erkennbar ist, überfahren einige Fahrer die Ampel. In der Folge stehen die Autos auf der Kreuzung und auch auf der Fußgängerquerung. Der Knotenpunkt liegt auf den Schulwegen zahlreicher Kinder, die drei naheliegende Schulen besuchen.
Die Lösung ist für die Verkehrsverwaltung die Herstellung des ursprünglichen Zustandes, fast jedenfalls: Um auf die gesetzlich vorgeschriebene Breite von 2,50 Meter zu kommen, wird dem alten Radweg der Gehweg zugeschlagen. 1,75m Gehweg plus 80 bis 100cm Radweg – passt. Wo die Fußgänger dann laufen sollen, bleibt offen.
Ob diese Linie vor Gericht Bestand hat, muss sich zeigen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bereits angekündigt, die geplante Abschaffung des Radwegs auf dem Rechtsweg zu stoppen. Die Organisation war bereits in einigen Berliner Verkehrsstreitsachen erfolgreich, zuletzt verhinderte die DUH die Abschaffung von Tempo 30 in der Albrechtstraße (
Ein Stück davon sind wir als Kinder da gefahren. Vom KZ an der Wissmarer Straße wußten wir Kinder um die 12 nichts, da war 1960 ein Schrottplatz wo wir Metall und Glas vorbei brachten.
Danke für den schönen Artikel