Im Heimatmuseum erzählte der Alte Fritz seinen Untertanen von seinem Leben. Fotos: Gogol

Zu sagen, dass bei der Eröffnung des Abends für die Sinne bis auf den letzten Platz besetzt war, ist eine Untertreibung. Selbst wer pünktlich in die Alte Dorfkirche im historischen Winkel gekommen war, fand oft nur noch einen Stehplatz vor, selbst die Treppenstufen waren besetzt.

Willkommen geheißen wurden die Besucher von Karl-Heinz Laschinsky, dem Vorsitzenden des Heimvereins, stellvertretend für alle fünf Veranstalter, die zu dieser „herbstlichen Tradition“ eingeladen hatten.

Tradition – bei einem fünften Abend der Sinne kann man davon wohl schon sprechen – ist es auch, dass Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski ebenfalls die Besucher begrüßte. Sie freute sich darüber, dass sich vom Bezirksamt unterstützte Einrichtungen wie das Heimatmuseum und die Musikschule mit Gewerbetreibenden zusammengetan haben, um die Besucher zu verwöhnen.

Zum ersten Mal war jemand anderer gekommen, um die Zehlendorfer zu begrüßen: Der alte Fritz machte Halt auf seinem Weg von Potsdam nach Berlin und plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen. Etwa über den Bau der Kirche, in der man gerade saß. Die wurde auf seine Veranlassung hin errichtet. 6.000 Taler stellte er damals zur Verfügung. Allerdings habe sich der Baumeister mit der Anzahlung von 3.000 Taler davon gemacht. So blieben nur 3.000 Taler für die Kirche übrig. Auch dass die Kosaken während des Siebenjährigen Krieges in der Kirche gewütet hatten, wusste der Preußenkönig zu berichten. Viele kleine Geschichten und Anekdoten konnte Friedrich II. erzählen, schmunzelt hörten die Gäste fasziniert zu, wie gut Hermannn Lamprecht „seinen“ Friedrich den Großenbeherrschte.. Doch hatte der Monarch nicht so viel Zeit, schließlich wurde er schon im Heimatmuseum erwartet, wo er dann aber weiter ein wenig mit dem Volke plaudern konnte. Anschließend begab er sich auf einen Rundgang durch das Dorf.

Dass der König vorbei schaute hatte natürlich einen Grund: Es ist Friedrich-Jahr. Seine 300. Geburtstag wurde in Berlin und Brandenburg groß gefeiert, am Freitag dann auch in Zehlendorf. Zu seinen Ehren spielte ein Trio der Musikschule unter eines seiner Werke für Flöte und Cembalo, das sie aber für Flöte und Fagott umgeschrieben hatten.

Auch bei Musik Oehme gab es Musik aus der Zeit des Monarchen zu hören – zumindest im Geschäft. Im Hof hingegen spielten und sangen Rebecca und Johanna modernere und auch selbst komponierte Songs. Mit Wahnsinnsstimmen ernteten sie jede Menge Applaus. Doch auch das stimmte den Wettergott nicht gnädig. Zahlreiche Schauer vertrieben viele Gäste auch vom Kastanienhof, wo Vom Fass Wein und Federweißerrr ausschenkte und die Besucher entspannt der Musik von Willie Pollock lauschten. Besser dran war, wer im Brillenatelier oder bei Waible Hörsysteme ein trockenes Plätzchen gefunden hatte.

Gegessen und getrunken wurde reichlich an diesem Abend. Das zeigte sich gegen 22 Uhr, als die Veranstalter die Spendensumme bekanntgaben. Über 1.160 Euro kann sich nun das Haus der Jugend (HdJ) Zehlendorf freuen. Davon sollen neue Spiel- und Sportgeräte gekauft werden, erzählte ein überwältigter Klaus Nickel, Leiter des HdJ. Tore, Bälle und Spiele für den Garten sollen davon gekauft werden. „Das hilft uns großartig weiter. Ich bin sprachlos“, sagte er.

Das Geld wird am Montag auf das Spendenkonto der Jugendfreizeiteinrichtung überwiesen.

(go)