Schluss mit putzig? Sollte eine Expertise zum Ergebnis kommen, dass der Ausbau des Kleinmachnowerwegs die Lösung für die Schönower Verkehrsprobleme sein kann, müssten die Kleingartenvereine Flächen abgeben. | Foto: Daniela von Treuenfels

 

Verkehrsberuhigung in Schönow scheint nur auf Kosten der Kleingärten am Kleinmachnower Weg möglich. Das Thema steht heute auf der Tagesordnung der BVV Steglitz-Zehlendorf. 

Es birgt durchaus Sprengstoff, was SPD und FDP in einem Antrag formulieren, der eine Umfahrung des Schönow-Kiezes zum Ziel hat. „Das Bezirksamt wird gebeten zu prüfen, wie langfristig der Kiez im Block zwischen Machnower Straße, Sachtlebenstraße, Teltower Damm und Kleinmachnower Weg (Zehlendorfer Schönow-Kiez) vollständig vom Durchfahrtsverkehr entlastet werden kann“, heißt es in einem gemeinsamen Antrag, der nach Beratungen in Verkehrs- und Stadtentwicklungsausschuss nun in der heutigen BVV beraten wird. In den Ausschüssen fand das Anliegen mit den Stimmen von SPD, FDP und Grünen eine Mehrheit gegen CDU und AfD.

Zur Begründung heißt es, „der Zehlendorfer Schönow-Kiez, im Kern ein reines Wohnviertel, leidet seit dem Mauerfall und der damit verbundenen Öffnung der Machnower Straße nach Klein-Machnow zunehmend durch die Steigerung des Durchfahrtsverkehrs. Fahrzeugverkehre aus dem Bereich Klein-Machnow, wie auch aus der Richtung Düppel, mit Ziel, Zehlendorf-Süd (Beeskowdamm, Goerzallee, Teltow, wie auch später Neu-Lichterfelde) sind aktuell gezwungen, durch die Wohnstraßen des Kiezes zu fahren, um ihr Ziel zu erreichen.“

Eine Möglichkeit, den Durchgangsverkehr aus den Wohnstraßen herauszuhalten, wäre die Einrichtung eines Kiezblocks: Durchfahrtsperren, Sackgassen und Einbahnstraßen würden eine Einfahrt mindestens unattraktiv machen, bestenfalls nur Anwohnern ermöglichen. Das ist aber im Antrag der beiden Fraktionen nicht vorgesehen, eine Verkehrsausdünnung wird als „unrealistisch“ verworfen. Zudem würde die Alternativroute durch Zehlendorf-Mitte führen, dieses Zentrum ist bereits verkehrstechnisch sehr belastet. In den nächsten Jahren stehen hier außerdem mehrjährige Bauarbeiten an, weil die Brücke am S-Bahnhof Zehlendorf erneuert werden muss.

Wer es also ernst meint mit der Entlastung der Schönower Bürgerinnen und Bürger, muss eine naheliegende Lösung ins Auge fassen: „Der Kleinmachnower Weg ist grundsätzlich bereits als Verlängerung des Beskowdamms konzipiert“, schreiben die Antragsteller. Ein Ausbau solle geprüft werden.

Was das konkret bedeuten würde, steht in dem Antrag nicht. Das Szenario wäre ungefähr: Ausbau der bisher einspurigen und teilweise unbefestigten Straße auf zwei Fahrbahnen. Weil das Berliner Mobilitätsgesetz es so vorsieht, kämen noch Radwege dazu. Plus Parkbuchten und ein Gehweg. Würde man die Buslinie 101 naheliegenderweise vom bisherigen Endpunkt Sachtlebenstraße bis zum Teltower Damm verlängern, müssten noch Bushaltestellen geplant werden.

Die Kleingärten würden also einen erheblichen Teil ihrer Fläche verlieren, und an dieser Stelle gerät der Antrag von FDP und SPD ins Schwurbeln: „Eine Prüfung soll diese gewachsene Kultur ausdrücklich würdigen und möglichst eine sozialverträgliche ganzheitliche Ausgestaltung dieses Raumes auch weiterhin als Erholungsraum sicherstellen.“
„Wir wollen ja nur prüfen“, heißt es sinngemäß weiter – allerdings mit einem klaren Schlusspunkt: Entweder die Straße wird gebaut, oder der Schönow-Kiez leidet weiter unter dem Durchgangsverkehr.

 

Daniela von Treuenfels