Theologe, Landwirt und Antisemit avant la lettre – Ehrungen Bruno Bauers in Berlin

Theologe, Landwirt und Antisemit avant la lettre – Ehrungen Bruno Bauers in Berlin

Das Ehrengrab von Bruno Bauer/ Copyright: Yvonne Schwarz / Semiramis Photoart

 

Kürzlich veröffentlichte Dr. Felix Sassmannshausen seine vielbeachtete Studie „Straßen- und Platznamen mit antisemitischen Bezügen in Berlin“. Insgesamt werden 290 Straßennamen in der Studie aufgeführt, die nach Antisemiten benannt sind – darunter auch die Bruno-Bauer-Straße.

Der Linkshegelianer Bruno Bauer (1809-1882) ist bekannt für die Herausgabe der Werke G. W. F. Hegels, Bibelkritiker und älterer Freund von Karl Marx. Seine Schrift „Die Judenfrage“ (1843) weist eine Reihe von antijüdischen Ressentiments auf, die auch von Karl Marx in seiner Erwiderung „Zur Judenfrage“ (1844) reproduziert wurden.

Trotzdem gibt es nicht nur eine Bruno Bauer-Straße in Neukölln – unweit der Stelle, wo sich der Hof seines Bruder Egbert befand, wohin sich Bruno nach seinem Lehrverbot zurückzog. Seine Ansichten zur Religion und zur historischen Gestalt Jesus Christus hatten ihm ein Lehrverbot eingebracht.

Darüber hinaus findet sich auf dem Neuköllner Neuen Jacobi-Friedhof sein Grab, was seit einer Weile den Status eines Ehrengrabs der Stadt Berlin hat. Diese Ehrung hat eine lange Vorgeschichte.
Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde ihm ein besonderer Grabstein von einem Rixdorfer Verein gespendet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden mindestens zwei Anträge gestellt, sein Grab in ein Ehrengrab umzuwandeln, die beide abgelehnt wurden. In einer Begründung hierzu hiess es, dass Bruno Bauer keine über den Bezirk hinausreichende Bedeutung hätte. Diese Begründung ist in zweifacher Hinsicht beachtlich. Einerseits war die Rixdorfer Zeit von Bruno Bauer in Bezug auf seine Schriften unbedeutend, zum anderen war er zeitweilig u.a. als Doktorvater von Karl Marx im Gespräch, so dass er durchaus eine geistesgeschichtliche Bedeutung hatte.

Dem dritten Antrag wurde stattgeben – mit der Begründung, dass er in der Wissenschaft diskutiert werden würde und damit eine gewisse gesellschaftliche Relevanz habe. Leider schaute man in der Verwaltung nicht genau hin, was der Hintergrund der Debatte um Bauer war. In der Zeit, wo man sein Grab in ein Ehrengrab umwandelte, diskutierte man die These, dass Bruno Bauer ein Wegbereiter des deutschen Antisemitismus gewesen sei.

Sicherlich sollte man daher nicht nur die Straße umbenennen, sondern auch die Entscheidung bezüglich des Ehrengrabs revidieren.

 

Dr. Maurice Schuhmann
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Anm. d. Red.
Dr. Schuhmann ist promovierter Politikwissenschaftler
und Autor des philosophiegeschichtlichen Städteführers
Geistreiches Berlin und Potsdam“ (Bäßler Verlag 2021).

Der Städteführer ist erhältlich über:
https://www.baesslerverlag.de/p/geistreiches-berlin-und-potsdam

 

 

 

 

 

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