Holzkastendoppelfenster: In Zehlendorf verfügen noch zahlreichen Siedlungen aus der Zwischenkriegszeit über diesen traditionellen Fenstertyp. An der Argentinischen Allee in Zehlendorf sollen sie in Rahmen der Sanierung gegen einfache Holzfenster mit Isoverglasung ausgetauscht werden. Foto: Weidmann

Die ehemaligen Gagfah-Häuser entlang der Argentinischen Allee und ihren Seitenstraßen sollen saniert werden. Das hat der neue Eigentümer „Deutsche Wohnen“ den Mietern Ende Januar mitgeteilt. Vier Wochen hatten die Bewohner Zeit, ihre Zustimmung für die bevorstehenden Arbeiten zu erteilen. Viel zu kurz – finden die Mieter. Doch nicht nur die zu kurze Frist stößt auf ihr Unverständnis.

„In diesem Fall handelt es sich […] auch um den Verlust einer architekturhistorischen Berliner Besonderheit – der Holzkastendoppelfenster“, schreibt Barbara v. Boroviczeny, Bezirksleiterin des Berliner Mietervereins. Der Plan des Unternehmens „Deutsche Wohnen“ sei es, die Doppelfenster gegen einfache Holzfenster mit Isoverglasung auszutauschen, so Boroviczeny. „Neben den sozialen Auswirkungen einer Verdrängungsgefahr bei der gegenwärtigen Mieterstruktur würde hier ein erheblicher Eingriff in das Erscheinungsbild der Siedlung vorgenommen.“

Dabei sollen Architekten den Erhalt der alten Fenster befürworten. „Denn auch durch eine Überarbeitung ließe sich ein ressourcenschonender zeitgemäßer Energiestandard herstellen“, schreibt sie weiter.

Auch fürchten die Zehlendorfer Mieter „einer mieterhöhenden Modernisierung finanziell nicht gewachsen zu sein“, doch als „besonders ärgerlich“ bezeichneten sie die „viel zu kurze“ Zustimmungsfrist von knapp vier Wochen. In dieser Zeit sei es kaum möglich, sich genug Expertise zu verschaffen, um „gegen die überhöht erscheinenden Angaben einer Energieeinsparung rechtzeitig vorgehen zu können und Beispiele einer kostengünstigeren und Bau erhaltenden Erneuerung zu sammeln“, schreibt die Bezirksleiterin des Berliner Mietervereins.

„Angesicht des Umfangs der Maßnahmen ist der Zeitraum angemessen“

„Bei der Modernisierungsankündigung richten wir uns nach den gesetzlichen Vorgaben, die einen Monat Vorlauf als ausreichend betrachten“, sagt dazu Marko Rosteck, Referent für Unternehmenskommunikation des „Deutsche Wohnen“, auf Anfrage der StadtrandNachrichten. „Wir denken, dass angesichts des Umfangs der Maßnahmen dieser Zeitraum auch angemessen ist.“

Was die Miterhöhung angeht, so könne man erst nach Abschluss der Maßnahme wirklich wissen, wie hoch die Modernisierungskosten tatsächlich sind. „Erst dann wird die Umlage für die Mieter endgültig berechnet und auch wirksam“, so Rosteck. Das bedeutet, dass bis zum Ende der Baumaßnahme keine Mieterhöhung infolge der Sanierung anstehe.

Außerdem handele es sich bei der angekündigten Sanierung zwar auch um Modernisierungsarbeiten, doch „fast alle Maßnahmen“ seinen in diesem Fall Instandsetzungsarbeiten. Und diese seien nicht „umlagefähig“ – haben keinen Einfluss auf die Miete.

Im Einzelnen sollen in den Häusern „nach dem aktuellen Stand“ die Balkone und Dächer saniert und die Kellerdecken gedämmt werden. Außerdem sollen die Treppenhäuser instandgesetzt und die Außenanlagen entwickeln werden. „Umlagefähig“ wäre davon einzig die Kellerdeckendämmung. Der Rest sei eine „mietneutrale Instandsetzung“, so Rosteck.

Was den Austausch der Fenster betrifft, so sei noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden. „Wir prüfen auch unter Berücksichtigung der Hinweise unserer Mieter noch einmal, in welchem Umfang die Fenster erneuert werden müssen“, so der Sprecher.

„Einmischung des Bezirks wäre nicht zielführend“

Eigentlich haben die Mieter in ihrer Sache auf Unterstützung vom Bezirksamt gehofft. Um sich dieser zu versichern, haben sie unter anderem ihr Anliegen in der Einwohnerfragestunde der gestrigen Bezirksverordnetenversammlung (BVV) geäußert. Doch die Antwort der Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) war unmissverständlich: „Da diese Häuser nicht unter Denkmalschutz stehen, hat der Bezirk keinerlei Befugnisse in dieser Sache“. Auf Nachbohren der Fragestellerin und Mieterin eines der betroffenen Häuser, Britta Schwarz-Krause, ob der Bezirksamt dennoch bereit wäre, den Mieter in ihren Verhandlungen mit dem Vermieter zur Seite zu stehen, sagte Richter-Kotowski, die Einmischung des Bezirks wäre, ihrer Meinung nach, nicht zielführend.

Gleichzeitig äußerte die Bezirksbürgermeisterin aber auch Verständnis für die Situation und die Ängste der Mieter und riet ihnen genau das zu machen, was sie ohnehin schon täten – nämlich an die Öffentlichkeit zu gehen und zu hoffen, dass der Vermieter ihnen „entgegenkommt.“

(eb)

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