Zehlendorfer Freude nach dem frühen Führungstreffer durch Robert Schröder (9.) Foto: Kerstin Kellner

Die Zehlendorfer Stimmungslage nach spannenden 90 Minuten verdeutlichten am besten zwei Aussagen. „Ich bin mächtig stolz auf meine Mannschaft“, gab Hertha-03-Trainer Alexander Arsovic nach dem gestrigen 2:1-Sieg gegen den SC Staaken zu Protokoll. Und um die Besonderheit seiner Aussage zu verstärken, fügte er hinzu „und ich lobe sonst nicht allzu häufig”. Mittelfeldspieler Darius Niroumand fand, „dass wir heute erstmals wie eine Männermannschaft aufgetreten sind“. Zwei Stellungnahmen, die Folgendes untermauern: Das junge Zehlendorfer Team durchläuft derzeit sehr erfolgreich einen Reifeprozess, und Trainer Arsovic hat immer häufiger Freude an seiner Mannschaft.

Zum vorgezogenen Rückrundenauftakt – die Partie war ursprünglich für den 16. Dezember angesetzt – bildeten knapp 300 Zuschauer (252 Zahlende) im Ernst-Reuter-Stadion einen guten Rahmen für das Berliner Oberligaderby. Beide Mannschaften hatten in den letzten Wochen für Furore gesorgt und traten somit mit breiter Brust an: Die Staakener hatten die letzten fünf Begegnungen gewonnen, die Zehlendorfer sechs Siege und ein Remis eingefahren.

Besser ins Spiel fanden zunächst die Gastgeber, sodass der in der 9. Minute erzielte Führungstreffer schon beinahe folgerichtig fiel. Zehlendorfs Kapitän und Innenverteidiger Robert Schröder hat in dieser Spielzeit sein Repertoire erweitert: Neben der reinen Abwehrarbeit, scheint er inzwischen auch am „Tore schießen“ Gefallen gefunden zu haben. Einen Freistoß von Darius Niroumand, in dieser Saison mehrfach durch gute Standards auffällig, legte Lenny Stein im Strafraum quer und Schröder vollendete per Volleyschuss zum 1:0.

Nur fünf Minuten später strebte Hertha-03-Torjäger Sebastian Huke auf das Staakener Gehäuse zu, seinen Schuss konnte Gäste-Schlussmann Hesse jedoch entschärfen. Auf der anderen Seite fiel wie aus dem Nichts der Staakener Ausgleich. Nach einer unglücklichen Abwehraktion von Zehlendorfs Verteidiger Panagiotis Vassiliadis traf Schulz aus halbrechter Position ins untere Eck (15.). Was diese Szene in der Folge so bemerkenswert machte, war, wie sich der erst 19-jährige Vassiliadis im Verlaufe der Partie präsentierte. Anstatt mit sich zu hadern oder (schlimmer noch) verunsichert zu sein, spielte er abgeklärt weiter. Torwart-Trainer und Vornamens-Vetter Panagiotis Matlis war ebenfalls beeindruckt: „Der Junge präsentiert sich in seiner ersten Saison nach den Junioren schon wie ein echter Männerspieler.“

Auswirkungen auf seine Mitspieler hatte der Ausgleich nur für kurze Zeit, als die Gäste „für zehn bis 15 Minuten die Kontrolle“ hatten, wie ihr Trainer Jeffrey Seitz hinterher sagte. Dann übernahmen die Zehlendorfer wieder das Kommando und gingen durch eine wunderbare Kombination erneut in Führung. Marc Zellner überspielte die Gästeabwehr, Niclas Warwel legte sofort in den Strafraum quer und Huke verwertete die Vorlage aus fünf Metern zum 2:1 (36.). Zehlendorfs Torjäger ist mittlerweile bei 13 Treffern angelangt, keine so schlechte Bilanz nach 13 Spielen.

Der zweite Abschnitt brachte nur noch zwei Höhepunkte: Huke hätte in der 60. Minute seine Mitspieler erlösen und mit einem möglichen 3:1 sein „Torkonto“ noch weiter erhöhen können, Bremer sah auf Staakener Seite wegen wiederholten Foulspiels die gelb-rote Karte (83.). Am Ende feierte die „kleine Hertha“ nach „einem guten Spiel und typischen Derby“ (Marc Zellner) einen verdienten Sieg und baute ihre beeindruckende Serie auf nun acht ungeschlagene Partien aus (darunter sieben Siege).

Trainer Arsovic‘ größte Sorge besteht derzeit darin, dass durch überzogene Erwartungen an sein junges Team Unruhe aufkommen könnte. Nicht zu unrecht. Die Zehlendorfer sind noch längst nicht auf dem Level angelangt, auf dem er sie gerne hätte. Aber sie sind seit Wochen auf einem guten Weg und sie finden immer wieder Lösungen, die Spiele zu gewinnen. Die Balance zu halten zwischen „Begeisterung über die letzten Erfolge“ und „Fokussierung auf die kommenden schweren Aufgaben“ wird die Hauptaufgabe sein. Derzeit sind keine Anzeichen auszumachen, dass irgendjemand abheben könnte. Schließlich sind, trotz vieler sehr junger Spieler, genügend erfahrene Akteure im Kader vorhanden, die eine „gefährliche“ Euphorie einbremsen würden. Und viel Zeit zum Nachdenken bleibt ohnehin nicht: Am Mittwoch geht es in der 3. Pokalrunde zum starken Berlin-Ligisten Stern 1900, am Sonntag folgt das nächste Heimspiel gegen FC Hansa Rostock II (Ernst-Reuter-Stadion, 14 Uhr).

(ok)