Interview: „Mangel in der Pflege wird sich massiv verschärfen“

Interview: „Mangel in der Pflege wird sich massiv verschärfen“

Katja Boguth ist Professorin für Pflegewissenschaften an der Alice Salomon Hochschule. Die Forscherin warnt vor einem Personalmangel in den Pflegeberufen und mahnt Konzepte an. Die gelernte Kinderkrankenschwester und Krankenschwester kennt den Umgang mit hilfebedürftigen Menschen aus ihrer langjährigen Berufserfahrung. Foto: Alice Salomon Hochschule Berlin 

 

Im Interview mit den Stadtrand-Nachrichten erklärt Pflegewissenschaftlerin Katja Boguth, welche Auswirkungen der demografische Wandel haben wird und wieso sofortiger Handlungsbedarf besteht. Dabei zeichnet sie eindrückliche Bilder, welche Folgen ein bloßes „Weiter wie bisher“ haben könnte. In ihrem Garten in Lichterfelde, das Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Sichtweite, spricht sie über die anstehende lückenhaft geplante Krankenhausreform, formuliert Forderungen an die Politik und beschreibt die Notwendigkeit einer neuen solidarischen Gesellschaft (wir berichteten darüber).

Stadtrand-Nachrichten: Frau Boguth, Karl Lauterbach plant eine umfassende Krankenhausreform. Wird jetzt alles besser in der Pflege?

Boguth: Die Aufteilung von Krankenhäusern in Spezialzentren einerseits und Krankenhäuser mit einer Basisversorgung andererseits halte ich für richtig. Durch die Spezialisierung ergeben sich Kompetenzzentren, was die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern wird. Gleichzeitig wird durch den damit verbundenen Wegfall von Kliniken erfahrenes und kompetentes Personal „freigesetzt“, so dass in den übrigen Kliniken der Personalschlüssel erhöht werden kann. Belastungen für das Personal könnten reduziert und die Patient_innensicherheit erhöht werden.

Stadtrand-Nachrichten: Dennoch scheinen Sie nicht zufrieden. Was fehlt Ihnen bei den Plänen von Gesundheitsminister Lauterbach?

Boguth: Was bei dieser Reform nicht mitgedacht wurde, ist die Frage, wie Betroffene und ihre Angehörgen chronische Krankheit und Pflegebedürftigkeit besser bewältigen können. Die Krankenhausreform ist aus der Perspektive der Medizin gedacht, die pflegerischen Bedarfe von Menschen wurden nicht ausreichend berücksichtigt.

Nun kommen weitere gesellschaftliche Entwicklungen hinzu: Die Anzahl an Menschen mit Pflegebedarf wird sich deutlich erhöhen. Gleichzeitig wird mehr als ein Drittel der aktuell tätigen Pflegefachkräfte in den nächsten zehn Jahren altersbedingt den Beruf verlassen. Verlässliche Pflegepersonalstatistiken gibt es dazu nicht, aber so schätzen die Berufsverbände die Austritte ein. Die Bereiche der Akut- und Langzeitpflege konkurrieren um immer weniger Pflegefachpersonen.

Pflegebedürftigkeit lässt sich nicht heilen wie manche Krankheit, sondern sie ist dauerhaft vorhanden. Es geht also um die Sicherstellung einer stabilen Langzeitversorgung. Ich habe das Gefühl, dass unsere Gesellschaft dieses Problem noch nicht erkannt hat oder die Augen davor verschließt. Unsere Generation ist an eine Vollversicherung im Krankheitsfall gewöhnt und glaubt, dass es so auch im Pflegefall sein wird. Aber dem ist nicht so. Deshalb ist es wichtig, sich jetzt mit der Frage zu konfrontieren: Wer pflegt mich eigentlich, wenn ich selber dazu nicht mehr in der Lage bin? Wir können schon jetzt nicht mehr davon ausgehen, dass es reicht, das Telefon in die Hand zu nehmen und einen ambulanten Pflegedienst oder einen Platz in einer Pflegeeinrichtung zu erhalten. Lange Wartezeiten führen zu großer Verzweiflung in den betroffenen Familien und diese Situation wird sich verschärfen.

Gleichzeitig sind Nachbarschaftshilfe und Solidarität sehr wichtige gesellschaftliche Werte, die eine wichtige Ressource darstellen, die unserer Gesellschaft aber ein wenig abhandengekommen sind. Sie müssen gestärkt werden, damit wir die „Pflegekrise“ meistern können

Stadtrand-Nachrichten: Sehen Sie dafür schon Ansätze?

Boguth: In der Corona Pandemie sah ich das. Viele Menschen haben sich um Familienangehörige aber auch um Nachbarn gesorgt, an der Tür geklingelt und ihre Hilfe angeboten. Dieser Blick über das eigene Leben und die eigenen Bedürfnisse hinaus ist aber mit der Zeit leider wieder verlorengegangen.

Die drohende Pflegekrise wird voraussichtlich die Gesellschaft vor weitere Herausforderungen stellen, es wird nicht nur darum gehen, einen Einkauf für jemanden anderen zu erledigen, sondern auch darum, einer anderen Person bei der Körperpflege behilflich zu sein.

Stadtrand-Nachrichten: Nachbarschaftshilfe und Körperpflege?

Boguth: Ich glaube, dass wir es uns in Zukunft nicht aussuchen können. Es wird zu Situationen kommen, in denen eine verwirrte ältere Person vor der Wohnungstür steht und klingelt. Oder dass sich Menschen auf der Straße befinden, die desorientiert sind, die den Verkehr blockieren, die im Einkaufsladen schreien, weil sie nicht wissen, wie sie da wieder herauskommen.

Das hat Auswirkungen auf unseren Alltag, diese „Zwischenfälle“ werden sich wie Sand im Getriebe verhalten. Wir werden sie nicht ignorieren können.

Stadtrand-Nachrichten: Die Versorgung von heute wird es in 20 Jahren nicht mehr geben?

Boguth: Wir können schon heute nicht jedem, der pflegebedürftig ist, eine Pflegeperson an die Seite stellen. Dann müsste schon jetzt jede_ vierte Schulabgänger_in den Pflegeberuf erlernen. Und so ist der Beruf auch nicht gedacht. Es ist und es bleibt eine Aufgabe in der Familie und anderer Bezugspersonen.

Erschwerend kommt die Individualisierung der Gesellschaft hinzu: Wir haben immer mehr Single Haushalte und Frauen, die früher in der traditionellen Rollenverteilung die Care-Arbeit übernommen haben, sind erwerbstätig und die eigenen Kinder leben oft nicht mehr in derselben Stadt oder demselben Land wie die Eltern. Ich denke, die Politik lässt diese Entwicklung gerade einfach laufen.

Stadtrand-Nachrichten: Womit könnte man denn anfangen?

Boguth: Meines Erachtens müssten grundlegende Gesundheitskompetenzen bereits in den Schulen vermittelt werden, zum Beispiel in einem Schulfach. Dazu zählen neben der Säuglingspflege, Kenntnisse über Notfallversorgung, gesundheitsförderndes Verhalten und Hygiene. Früher wurde dieses Wissen generationsübergreifend weitergegeben, aber diese „Anlernsituationen“ werden seltener, weil die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sich geändert haben.

Stadtrand-Nachrichten: Das wäre ein langfristiger Plan. Was müssten Verantwortliche in der Gesundheitspolitik jetzt und heute tun?

Boguth: Aufklärung ist wichtig. Die Senatsverwaltung hat in der letzten Legislatur einen Bürgerdialog und eine Imagekampagne zur Pflege auf den Weg gebracht, das war ein guter Ansatz. Das Thema muss direkt in die Gesellschaft, in die Kieze. Sich um andere zu sorgen, kann eine sehr schöne und erfüllende Aufgabe sein.

Care Arbeit muss außerdem mehr Anerkennung erfahren, und es darf nicht sein, dass die Menschen, die diese Arbeit erbringen, benachteiligt sind, z.B. weil sie ihre Berufstätigkeit reduzieren oder gar aufgeben müssen. Auch Männer sollten sich angesprochen fühlen, sie stellen eine große Ressource dar.

Stadtrand-Nachrichten: Sollten Menschen verpflichtet werden, sich für eine bestimmte Zeit sozial zu engagieren?

Boguth: Das kann eine Lösung sein. Wir müssen kreativ darüber nachdenken, wie wir dieses Problem in den Griff bekommen. Wir müssen Lösungen finden, nicht erst, wenn Menschen sterben, weil sie nicht ausreichend versorgt werden. Es ist eine Frage der Sensibilisierung und des Trainings bestimmter Maßnahmen. Schon heute ist nachbarschaftliche Unterstützung gefragt, zum Beispiel wenn sich ältere Menschen und junge Kinder an heißen Tagen in Gefahr bringen, weil sie nicht ausreichend trinken. Wassermangel kann zu einer akuten Verwirrtheit und zu Störungen im Gleichgewicht führen, damit erhöht sich die Sturzgefahr, Stürze wiederum führen zu Überlastungen in den Notfallaufnahmen.

Wie groß wird unsere Betroffenheit sein, wenn wir erfahren, dass in der direkten Nachbarschaft eine alleinstehende gebrechliche Person verdurstet ist, während man selbst zu Hause war und Serien im Streaming schaute. Wenn jemand stirbt, weil niemand wusste, dass hier nachbarschaftliche Hilfe erforderlich war.

Stadtrand-Nachrichten: Was kann Politik konkret tun?

Boguth: Neben Aufklärungskampagnen finde ich das Konzept der Community Health Nurses relevant. Das sind hochschulisch qualifizierte Pflegefachpersonen, die beispielsweise im öffentlichen Gesundheitsdienst arbeiten und bezogen auf eine festgelegte Postleitzahl ihre „Community“ haben. Damit haben sie einen Überblick über die Einwohnerstruktur anhand von Melderegisterdaten im Kiez, so lassen sich vulnerable Situationen schnell aufspüren. Die Community Health Nurses führen in der Regel die Pflege nicht selbst durch, sondern sind zum Beispiel erste Ansprechpersonen für Menschen mit chronischen oder Mehrfacherkrankungen, Behinderung oder Pflegebedarf. Sie unterstützen auch Laien-Pflegende indem sie ein individuelles Hilfenetzwerk aufbauen. Sie können in Not- und Katastrophenlagen schnelle Hilfen organisieren. Sie vernetzen potentielle Unterstützungssysteme im Kiez und binden dabei zum Beispiel religiöse Institutionen, die Polizei, Wohnungsbaugenossenschaften, oder Vereine ein. Community Health Nurses stehen auch in engen Kontakt zu Hausärzten im Kiez. Es handelt sich um eine aufsuchende Struktur, die auch präventiv agiert.

Stadtrand-Nachrichten: Gibt es solche Ansätze in Deutschland oder in Berlin schon?

Boguth: Ja, sehr vereinzelt, beispielsweise das Gesundheitskollektiv in Neukölln im Rollberg-Kiez. Dort sind Pflegefachpersonen mit solchen Aufgaben betraut. Ein positives Beispiel ist das Bundesland Rheinland-Pfalz. Dort gibt es seit mehreren Jahren eine Pflegeberufekammer und es existiert eine Versorgungstruktur in der primären Versorgung, die sich Gemeindeschwester Plus nennt. In Abstimmung mit der Ärztekammer arbeiten Pflegende und Hausärzte Hand in Hand. Dieses Konzept kommt der Community Health Nurse schon sehr nahe. In der Corona-Pandemie hat sich ein weiterer Nutzen der Kammer darin gezeigt, dass durch den direkten Kontakt zur Berufsgruppe der Pflegefachpersonen sehr schnell effiziente Hilfestrukturen aufgestellt werden konnten. Die Daten, die dort über die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen vorhanden sind, gibt es für Berlin nicht. Es gibt in Berlin keine amtliche Statistik darüber, wer in diesem Beruf in welchem Umfang arbeitet, welche weiteren Fachqualifikationen vorhanden sind und wann die Person in Rente gehen wird. Wir tappen hier ziemlich im Dunkeln.

In einer Kammer sind alle Angehörigen der Berufsgruppe Pflichtmitglied, die somit auch alle direkt angesprochen werden können. In Berlin funktioniert das nur über die Träger der Einrichtungen, in denen Pflegende arbeiten. Eine Kammer würde die Qualität des Berufsstandes durch eine Verpflichtung sich regelmäßig fortzubilden und durch Beschwerdestellen erhöhen.

Stadtrand-Nachrichten: Das hieße dann auch mehr Verantwortung.

Boguth: Dass ein Arzt oder eine Ärztin hierzulande Pflege verordnen muss, ist doch völliger Irrsinn. Oft können Pflegefachpersonen besser beurteilen, ob jemand Unterstützung benötigt und in welcher Form. Sie sollte Hilfsmittel verordnen können, und Beratungsleistungen sowie das Anlernen von Laien und Weiterbilden von Kollegen sollte als Leistung abrechenbar sein. Sozialpflegerische Aspekte wie Einsamkeits-Prävention gehören auch dazu. Derzeit wird alles in Deutschland aus der ärztlich-medizinischen Perspektive gedacht und da fehlt einfach ein Teil.

Stadtrand-Nachrichten: Noch einmal zurück zu uns allen, Stichwort „Solidarische Gesellschaft“. Wie kommen wir da hin?

Boguth: Jeder Sterbeprozess ist verbunden mit einer vorherigen Pflegebedürftigkeit. Dieser Zeitraum dauert unterschiedlich lange und bewegt sich zwischen vier Monaten und zwei Jahren. Wenige sind vor ihrem Tod nicht pflegebedürftig, manche viele Jahre lang. Fakt ist: Das Thema betrifft alle. Wer als Hochbetagter Unterstützung erwartet, sollte sich vorher selbst um jemanden gekümmert haben. Dafür braucht es Beratung und Strukturen. Nachbarschaftliche Strukturen sollte man auch in der Stadtplanung mitdenken.

In einigen Städten gibt es den sogenannten „dritten Ort“ als Ergänzung zum ersten und zweiten Ort, dem Zuhause und dem Arbeitsplatz. Er dient als Ausgleich und ist Treffpunkt für die nachbarschaftliche Gemeinschaft. Im Gegensatz zu den anderen ist der dritte Ort offen zugänglich, inklusiv und neutral. Der Kontakt zwischen Bürgern wird hier gefördert, der soziale Zusammenhalt gestärkt und das demokratische Leben angeregt. Das sind nicht nur die oft genannten Bibliotheken, sondern können auch Arztpraxen, Bürgeramter, Einkaufszentren, Cafés, Parkanlagen, Kinderspielplätze, oder ein Theater sein. Diese schönen Orte wirken wie Magneten auf Menschen. Begegnung und Gespräch sind immer ein guter Anfang.

 

Die Fragen stellten Junia Greb-Georges und Daniela von Treuenfels

 

 

Einen Kommentar zum Interview lesen Sie hier

Hier geht es zum Bericht zum Thema Zukunft der Pflege

 

 

 

 

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Kunstausstellungen in Steglitz-Zehlendorf
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Kunstausstellungen in Steglitz-Zehlendorf

  [caption id="attachment_89286" align="aligncenter" width="620"] Kunst to go: Großformatige Acrylleinwände, leuchtende Aquarelle, ungewöhnliche Fotografien oder auch filigrane Papierobjekte - zwischen den täglichen Besorgungen kann man am ersten Freitag eines Monats Kunst im LIO genießen. | Foto: Ulrike Meyer[/caption]  

Malerei, Skulptur, Fotografie  – in Steglitz-Zehlendorf gibt es viele Anlässe und Orte für Kunstgenuss

An dieser Stelle möchten wir Ihnen einen Überblick über die künstlerische Vielfalt in unserem Bezirk geben. Die Reihenfolge der Auflistung entspricht der Reihenfolge in unserem Posteingang. Eine Wertung oder ein Ranking ist damit nicht verbunden. Neben Ausstellungen haben hier auch Kunst(handwerk)märkte ihren Platz. Fehlt etwas? Hinweise bitte an: redaktion@stadtrand-nachrichten.de Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich vor einem Besuch auf den Webseiten der Ausstellungsorte.

Ausstellungsort Landarbeiterhaus Kleinmachnow

Die Bronzeskulpturen von Susanne Kraisser beschwören in ihrer grazilen Harmonie die großen Vorbilder klassischer Bildhauerkunst. In wirkungsvollem Kontrast dazu stehen die poetisch-autobiografischen Bilder des Malers Georg Weise mit ihren gebrochenen Farben und rissigen Oberflächen. Vernissage am 30. August um 16 Uhr 30. August bis 27. September Die Ausstellung ist geöffnet samstags und sonntags von 14.00 -18.00 Uhr, Eintritt frei

The Gallery of Things

Was passiert, wenn ein ikonisches Gemälde plötzlich Klebeband braucht? Annette von Ulardt, bekannt als 'vonwunderfitz', stellt genau diese Frage – und beantwortet sie mit einem Augenzwinkern. In ihrer Fotografie-Serie rekonstruiert sie große Werke der Kunstgeschichte mit einfachsten Mitteln: Alltagsgegenstände, improvisierte Setups, viel Geduld und eine gehörige Portion Witz ersetzen, was einst Pinsel, Marmor oder Leinwand schufen. Was dabei entsteht, ist mehr als eine humorvolle Hommage an die Kunstgeschichte. Es ist eine Einladung: Schau nochmal hin. Entdecke das Vertraute neu. Lass dich überraschen von dem, was du zu kennen glaubst. Ihre Bilder spielen mit Erwartung und Auflösung, mit Ehrfurcht und Leichtigkeit – und sie tun das mit einer Wärme, die selten ist. Kunst, die zum Lachen bringt, ohne zu verharmlosen. Humor als kuratorische Haltung. IN ECHT JETZT?! ist eine Ausstellung über den kreativen Mut, das Große kleinzumachen – und dabei zu entdecken, wie viel Größe im Kleinen steckt. 15.8. - 24.8.2026

Galerie Creative Game

Kleine Schätze und große Namen der Kunst. Die Galerie Creative Game präsentiert mit der Ausstellung Sammlung Wagner kleine Schätze und große Namen der Kunst. Eine Sammlung, die von der langjährigen Kuratorin des Freiburger Kunstvereins, Helena Vetter, zusammengestellt und an Barbara Wagner vererbt wurde. Zu sehen ist eine außergewöhnliche Auswahl bedeutender Werke der Klassischen Moderne des 20. und 21. Jahrhunderts. Die Ausstellung vereint charakteristische Arbeiten und eröffnet spannende Einblicke in künstlerische Handschriften. Besonderes Augenmerk liegt auf den kleinen Schätzen der Sammlung Wagner – ausgewählten Kunstwerken zu attraktiven Preisen. Vernissage Freitag, 14. August, 19 Uhr Öffnungszeiten Samstag/Sonntag: 15. - 16. August, 13 - 17 Uhr Samstag/Sonntag: 22. - 23. August, 13 - 17 Uhr Finissage Freitag, 21. August, 19 Uhr Live Music mit Myles Kooper *********************** Der Künstler Visuman, bürgerlich Jörg Tenbrock, gibt einen Einblick in sein Schaffen unter dem Motto: Eine kleine Reise durch das „Visuversum“. Gezeigt werden Werke aus der Vielfalt seiner Bilderserien. Der Fokus liegt unter anderem auf dem Spiel mit der Geometrie, gemäß seinem Leitspruch: Die Geometrie ist das Urbild der Schönheit der Welt. Vernissage Freitag, 28. August, 19 Uhr Öffnungszeiten Samstag/Sonntag: 29. - 30. August, 13 - 19 Uhr Samstag/Sonntag: 5. - 6. September, 13 - 19 Uhr Finissage und Künstlergespräch Freitag, 4. September, 19 Uhr Live Music mit Myles Kooper Galerie Creative Game Jägerstraße 12A 12209 Berlin-Lichterfelde

Ratswaage Lankwitz      

Im August: “Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele” mit Werken von Sabine Niekrentz. Die Midissage mit Musik findet am Samstag, den 15.08.2026 um 15:00 Uhr statt. Ein offener Sonntag in Anwesenheit der Künstlerin ist am 23.08.26 von 14:00 – 17:00 Uhr. Eintritt kostenlos. Infos: https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/beauftragte/gleichstellung/artikel.1526634.php

Museum Europäischer Kulturen

Poppige Farben auf goldenem Grund neben tiefschwarzer Brautkleidung: Donauschwäbische Trachten geben überraschende Einblicke in die einstigen Lebenswelten von Frauen und Mädchen.  Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen Tradition und Moderne, Ideologie und Realität, einstigem und heutigem textilen Upcycling. Sie gibt Einblicke in das Leben von Donauschwäbinnen, die sich als Nachkommen deutschsprachiger Ausgewanderter vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen. Dort lebten sie als eine ethnische Gruppe unter vielen. 20 Kleiderensembles, zahlreiche Fotografien, Zeichnungen von Erna Piffl und weitere Objekte machen deutlich: Persönliche Erinnerungen sind in Textilien eingewebt, Lebensgeschichten untrennbar mit ihnen verbunden. Sie laden die Besucherinnen und Besucher ein, in europäische Geschichte(n) über Ankommen, Existenz, Abgrenzung und Integration, Ver- und Entwurzelung einzutauchen. Schwerer Stoff: Frauen – Trachten – Lebensgeschichten 24.04.2026 bis 29.03.2027 https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/schwerer-stoff/  

Gutshaus Steglitz

Alberto Giacometti (1901–1966) zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Besonders sein einzigartiges und unverkennbares plastisches Werk ist von Weltrang: Seine gelängten, fragilen Figuren, die Köpfe und Büsten, über- und unterlebensgroß, scheinen sich im Raum zu verflüchtigen und doch treten sie uns mit einer ungeheuren Physis und Präsenz gegenüber. Das Zentrum der Ausstellung bilden vier Bronzen. Ihre Sujets sind exemplarisch für das Œuvre, dessen Motive sich zunehmend auf einige wenige reduzieren: Petit buste sur double socle (1940/41), Femme debout (um 1947), La Cage (première version) (1950) und Tête de Diego (um 1955). Sie werden begleitet von Malereien und Papierarbeiten, die Giacomettis Aus­einandersetzung mit der Figur und dem Raum erlebbar machen: Darstellungen von stehenden Frauen, gehenden Männern, von Köpfen, von Menschenmengen in den Straßen von Paris. Helmut Klewan (Jg. 1943) war von 1970 bis 1999 Galerist in seiner Heimatstadt Wien und später in München. Seither ist er Sammler. Er hat die umfangreichste Privatsammlung von Werken Alberto Giacomettis im deutschsprachigen Raum. Giacometti. Figur. Raum - Plastik, Malerei und Papierarbeiten aus der Sammlung Klewan ab 5. November Mo–So 10–18 Uhr Eintritt frei ****** Die Ausstellung Osage Orange der Künstlerinnen Antje Majewski und Jen Tiger erzählt anhand eines Baums, des Osagedorns, eine verflochtene Geschichte über indigene Kultur, Kolonisierung und Transformationen von Landnutzung. Ausgehend von der Faszination für die gelbgrün schimmernden Früchte der Maclura Pomifera, die sich im Herbst auch im nahe des Gutshauses gelegenen Botanischen Garten finden, entwickelte Antje Majewski ein rechercheintensives Langzeitprojekt mit einer Gruppe von Werken, welche die Osage Orange in unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen und Medien (Malerei, Video, Installation) in den Blick nehmen. Der Osagedorn führte Majewski in die Vergangenheit und in die USA, das Herkunftsland des Baums. Er ist nach der indigenen Osage Nation benannt, die das Holz des Baums besonders für den Bau von Jagdbögen schätzte. Videointerviews mit dem Osage-Ältesten Raymond Lasley, der heute noch Jagdbögen aus Osage-Holz herstellt, und dem Forstexperten Mark Bays öffnen ein Panorama aus Vertreibung, Siedlungsgeschichte, ökologischen Krisen und Wiederaufforstung. Jen Tiger untersucht seit Jahren die Geschichte der Zwangsassimilation der Osage in Kirchen- und Internatsschulen, in denen Kinder – darunter ihre eigenen Vorfahren – von ihren Familien getrennt und in die Wertewelt der weißen Siedlergesellschaft überführt werden sollten. In zahlreichen Archiven hat sie Fotografien, Dokumente und Berichte zusammengetragen und aus diesem Material eine dichte visuelle Sprache entwickelt, die Trauma und Widerstand gleichermaßen sichtbar macht. Antje Majewski & Jen Tiger – Osage Orange 29. Mai bis 18. Oktober 2026 Mo–So 10–18 Uhr, Eintritt frei Eröffnung: Donnerstag, 28. Mai 2026, 18.30 Uhr Gutshaus Steglitz Schloßstraße 48, 12165 Berlin    

Kunsthaus Dahlem

Das Kunsthaus Dahlem zeigt mit Jetztzeit – Layers of the Present die erste institutionelle Einzelausstellung von Gulnur Mukazhanova in Berlin. Die Künstlerin, deren Werk textile Arbeiten, Fotografie und installative Formate umfasst, entwickelt hierfür eine ortspezifische Installation, die sich – in Anlehnung an Walter Benjamins Begriff der »Jetztzeit« – mit der Frage auseinandersetzt, wie Vergangenheit unsere Gegenwart und unser Denken prägt. Gulnur Mukazhanova (*1984, Semipalatinsk, Kasachstan) lebt seit zwanzig Jahren in Berlin und zählt zu den bekanntesten Künstler:innen ihres Herkunftslandes. Ihre Arbeiten verbinden textile Traditionen Zentralasiens mit Ansätzen der Konzeptkunst und Abstraktion. Im Zentrum ihrer Praxis stehen Fragen von Erinnerung, Identität, Migration und kulturellem Wandel. Dabei arbeitet sie vor allem mit Filz – einem Material, das tief in nomadischen Handwerkstraditionen verwurzelt ist und das sie in raumgreifenden Installationen zu einem Träger von Geschichte, Körperlichkeit und kollektiver Erfahrung transformiert. 4.7. bis 4.10.2026 *********** Melanie Ender hat für ihre Ausstellung im ehemaligen Atelier von Arno Breker, dem führenden Monumentalbildhauer des Nationalsozialismus, feingliedrige, ortsspezifische Installationen konzipiert, die sich jedem Anspruch auf Dauerhaftigkeit widersetzen. Die Künstlerin untersucht, wie auf Stabilität und Kontrolle angelegte Strukturen im Laufe der Zeit ihre Offenheit für Transformation enthüllen. Gerade Linien verzerren sich, vermeintlich starre Metallstäbe balancieren in fragilen Situationen – Enders Arbeiten bleiben sensibel und reaktionsfähig für ihre Umgebung. Auf diese Weise entstehen Werke, die starre Ordnungen auflösen und Prozesse der Veränderung erfahrbar werden lassen. Melanie Ender (*1984, Wien) lebt und arbeitet überwiegend in Wien. Ihre skulpturale Praxis ist prozessorientiert und basiert auf einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Material als einem aktiven Gegenüber. Sowohl für die Ausstellung im Kunsthaus Dahlem als auch in ihren aktuellen Arbeiten beschäftigt sie sich verstärkt mit korrodiertem Stahl und Textilien. Mit oft nur minimalistischen Eingriffen macht sie das Potenzial dieser Materialien für Veränderung und Wandlung sichtbar. 4.7. bis 4.10.2026  

Brücke-Museum

Das Projekt Learning from … Nature denkt den klassischen Skulpturengarten neu. Auf dem großen Waldgrundstück, rund um das Brücke-Museum entsteht ein künstlerischer Naturlehrpfad. Zeitgleich zeigt das Museum eine Ausstellung, die das historische Streben der Brücke-Künstler nach einer Harmonie zwischen Mensch und Natur untersucht und damit die Beschäftigung von Learning from … Nature mit der Brücke-Kunst verbindet und vertieft. ab 5. Juli https://www.bruecke-museum.de/de/programm/ausstellungen/4196/learning-from-nature ******* Anfang des 20. Jahrhunderts verließen Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel die Städte, um in der Natur zu malen und zu leben. In ihren Gemälden, Zeichnungen, Druckgraphiken und Aquarellen feiern sie die Landschaft, das Lebendige, den menschlichen Körper, das dynamische Sein. Die Ausstellung thematisiert das Streben der Brücke-Künstler nach einer Harmonie zwischen Mensch und Natur. 5. Juli bis 25. Oktober https://www.bruecke-museum.de/de/programm/ausstellungen/4198/brcke-natur-natur-brcke ******
Das Brücke-Museum präsentiert die erste umfassende Schau zur Schwedischen Moderne in Deutschland. Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf den Künstlergruppen De Unga [Die Jungen], De åtta [Die Acht] und den Göteborg-Koloristen. Wie die Brücke-Künstler wollten auch diese sich von festgefahrenen akademischen Traditionen lösen und neue künstlerische Wege beschreiten. Gezeigt werden Schlüsselwerke aus der Sammlung des Moderna Museet in Stockholm. Nachdem die Sammlung des Brücke-Museums 2024 in Stockholm zu sehen waren, präsentiert die Ausstellung Schwedische Moderne den zweiten Teil und kann so erstmalig Höhepunkte des Moderna Museets in Berlin zeigen. 7. November 2026 bis 28. Februar 2027 https://www.bruecke-museum.de/de/programm/ausstellungen/4208/schwedische-moderne
Brücke-Museum Bussardsteig 9 14195 Berlin

Haus am Waldsee

Zum 80-jährigen Jubiläum 2026 richtet das Haus den Blick zurück auf seine Anfangsjahre – auf den Wandel vom privaten Wohnhaus zum Ausstellungshaus, auf Brüche und Kontinuitäten der Nachkriegszeit und auf die Spuren, die diese Entwicklungen im Selbstverständnis der Institution hinterlassen haben. Ab dem 20. Februar feiert der Kunstort in der ehemaligen Industriellenvilla Haus Knobloch seinen Geburtstag mit diversen Ausstellungen. Die Übersicht: https://hausamwaldsee.de/vorschau/
 

Villa Liebermann

Im Sommer 2026 widmet sich die Liebermann-Villa am Wannsee in der vierten Ausstellung der Reihe IM FOKUS einem bislang wenig beachteten Aspekt im Werk Max Liebermanns: seinen Pastellen. Die Ausstellung zeigt anhand ausgewählter Motive, wie sehr die Pastelltechnik Liebermanns Bildsprache prägte und welchen Rang diese Arbeiten in seinem Gesamtwerk einnehmen. Lesen Sie dazu auch die Ausstellungsempfehlung von Ulrike Meyer: https://stadtrand-nachrichten.de/liebermanns-pastelle-eine-welt-in-kreide/ 6. Juni bis 21. September 2026 Liebermann-Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin, www.liebermann-villa.de  

Schwartzsche Villa

Die Einzelausstellung von Niina Lehtonen Braun beschäftigt sich mit dem weiblichen Körper und seinen Veränderungen, wie beispielsweise durch die Wechseljahre oder die Geburt und sogenannte Frauenkrankheiten. Bereits seit vielen Jahren erkundet Niina Lehtonen Braun in ihren Collagen und Gemälden die Frau als Teil einer Generationenkette, verschiedene Rollen des Frauseins und die damit verbundenen Erwartungen und Zuschreibungen. Die Ausstellung und das begleitende Kunstbuch ermöglichen durch die eigenen persönlichen Themen auch einen sensiblen Zugang für andere und ein Eintauchen in Fragen rund um den weiblichen Körper. Es entsteht ein dichtes Geflecht von Narrationen, Bildern und Assoziationen. Gefundene Materialien, Zeitungsausschnitte, Fotografien, ein Animationsfilm und Zeichnungen werden gemeinsam mit Malereien zu einem Ganzen verschmolzen, das ein vielschichtiges und berührendes Bild zeichnet, was es bedeutet, Frau, Freundin, Mutter oder Tochter zu sein. Niina Lehtonen Braun – My body is my studio Kulturhaus Schwartzsche Villa, Galerie 14. Mai bis 27. September 2026 Mo–So 10–18 Uhr, Eintritt frei

Bernhard Heiliger Stiftung

Derzeit keine Ausstellung bekannt, der Skulpturengarten zeigt Großskulpturen von Bernhard Heiliger: https://bernhard-heiliger-stiftung.de/werk/skulpturengarten/ Bernhard-Heiliger-Stiftung Käuzchensteig 8, 14195 Berlin https://bernhard-heiliger-stiftung.de/  

Kunst im LIO

Jeden ersten Freitag im Monat stellen fünf Künstler und Künstlerinnen im Einkauszentrum LIO am Kranoldplatz ihre Arbeit vor.  

Achim Freyer Stiftung

Der Maler, Graphiker und Theaterregisseur Achim Freyer ist auch ein begeisterter Kunstsammler. Seine Privatvilla in Lichterfelde beherbergt neben Werken namhafter Künstler auch Bilder und Objekte unbekannter Maler und Graphiker. Hier hängen sie dicht an dicht, mitunter buchstäblich bis unter die Decke. Ein Veranstaltungsprogramm aus Lesungen, Konzerten, Gesprächsrunden ergänzt dieses Angebot der Achim Freyer Stiftung, die als Träger des Kunsthauses fungiert. Eine Besichtigung der Dauerausstellung ist an Sonntagen nach Anmeldung mit einer Führung möglich. Achim Freyer Stiftung Kunsthaus im Kadettenweg 53, 12205 Berlin Besucherinformationen: https://www.achimfreyer.com/besucherinformationen/ https://www.achimfreyer.com/ Kurzfilm über Achim Freyer und sein Kunsthaus  

Schwartzsche Villa, Studio

Einst großbürgerlicher Sommersitz, heute Kulturhaus – die Schwartzsche Villa hat in den 125 Jahren ihres Bestehens viel erlebt. Mit Fotografien, Architekturzeichnungen und Reproduktionen von Originaldokumenten stellt die Ausstellung die Villa und die Bankiersfamilie Schwartz vor, die das Haus in den Jahren 1895–1897 erbauen ließ. Nachverfolgt werden zudem die wechselvolle Geschichte des Gebäudes nach 1945 und der hürdenreiche Weg zu seiner Nutzung als Kulturhaus. Die Villa Schwartz Dauerausstellung Mo–Fr 10–18 Uhr Eintritt frei Grunewaldstraße 55 12165 Berlin  

Galerie Wannsee

Eine ständige Ausstellung ausgewählter Werke von Johannes Niemeyer, Gerda Rotermund, Max Ziegert, Sandy Cheyne, Hans Stübner, Marina Schnurre u. a. finden Besucher im Kaminzimmer und im „Balkenzimmer“, dem ältesten und nach Aussagen der Historiker und Berliner Denkmalspfleger über 350 Jahre alten Raum des Hauses, der dem Hauseigentümer als Arbeitszimmer dient. Grüner Weg 29, 14109 Berlin Öffnung zu Veranstaltungen und nach Vereinbarung https://www.galerie-wannsee-verlag.de/      

Daniela von Treuenfels

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